Lausanne zählte Ende 2004 115'985 Einwohner mit permanentem Wohnsitz in der Stadt. Dazu kommen 11'202 weitere Personen, entweder Schweizer mit Hauptwohnsitz in einer anderen Gemeinde oder Saisonniers (nur mit vorübergehender Aufenthaltsgenehmigung). Lausanne ist damit bevölkerungsmässig die fünftgrösste Stadt der Schweiz. Die Agglomeration Lausanne zählt heute rund 312'000 Einwohner.
Von den Bewohnern sind 78.8 % französischsprachig, 4.3 % deutschsprachig und 4.0 % italienischsprachig (Stand 2000). Der Anteil der Ausländer an der Gesamtbevölkerung betrug
2002 36.2 %. Zu den grössten ausländischen Bevölkerungsgruppen gehören die Italiener, Spanier und Portugiesen.
Die Bevölkerungszahl von Lausanne stieg seit dem Ende des
19. Jahrhunderts bis ungefähr
1960 sehr stark an. Im Jahr
1946 wurde die 100'000-Einwohner-Grenze überschritten. Der Höchststand wurde
1970 mit mehr als 137'000 Einwohnern verzeichnet. Aufgrund der Wirtschaftskrise in den
1970er Jahren verbunden mit der Abwanderung von ausländischen Arbeitskräften nahm die Bevölkerung im nachfolgenden Jahrzehnt um gut 10'000 Personen ab. Danach pendelte die Einwohnerzahl im Bereich von 128'000; seit
1990 weist der Trend wieder leicht nach unten.
Fast der gesamte Hang von Lausanne ist heute überbaut, weist aber einige grössere Freiflächen (Parkanlagen, kleine Waldgebiete) auf. Das Siedlungsgebiet von Lausanne ist lückenlos mit denjenigen von Renens, Prilly, Le Mont-sur-Lausanne, Epalinges und Pully zusammengewachsen.
Wirtschaft
1990
Neben
Genf ist Lausanne das bedeutendste Wirtschafts- und Verwaltungszentrum der Westschweiz. Rund 83 % der Erwerbstätigen sind im Dienstleistungssektor beschäftigt, der sekundäre Sektor vereinigt rund 17 % der Beschäftigten auf sich und weniger als 1 % arbeitet im primären Sektor.
Bis zu Beginn des
20. Jahrhunderts gab es an den Südhängen unterhalb der Altstadt mehrere kleinere
Weinbaugebiete und Ackerflächen. Mit der Ausdehnung des Siedlungsgebietes ist der Rebbau mittlerweile fast völlig verschwunden. Auf den Hochflächen des Jorat wird heute
Viehzucht und
Milchwirtschaft betrieben. Dank der grossen Waldfläche des Bois du Jorat spielt auch die
Forstwirtschaft eine gewisse Rolle.
Der industrielle Sektor hatte vor allem in der ersten Hälfte des
20. Jahrhunderts Bedeutung. Industrie- und Gewerbezonen entstanden entlang der Eisenbahnlinie im Westen der Stadt und am Hangfuss in der Nähe des Genferseeufers. Mit dem vergrösserten Platzbedarf der Industrie wurden aber einige Betriebe in die Vorstädte, insbesondere an den westlichen und nordwestlichen Rand von Lausanne verlegt (Renens, Crissier, Bussigny-près-Lausanne).
20. Jahrhundert
Heute konzentriert sich die in Lausanne ansässige Industrie hauptsächlich auf das Baugewerbe, das Ingenieurwesen, auf Metall-, Nahrungsmittel- und Tabakindustrie, auf die Präzisionsmechanik, die Elektronik und die Optik sowie auf graphische Betriebe und das Druckerei- und Verlagswesen.
Das Dienstleistungsgewerbe ist auf Handel, Tourismus, Verwaltung, Banken und Versicherungen sowie auf Transport und Verkehr ausgerichtet. Lausanne ist Sitz verschiedener international und national bedeutender Institutionen, der kantonalen, der Bezirks- und der Stadtverwaltung. Seit
1874 befindet sich das Bundesgericht in Lausanne. Ferner haben auch zahlreiche Konsulate und das Sekretariat des Umweltprogrammes der Vereinten Nationen (UNEP) ihren Sitz in der Stadt. Wichtige Forschungseinrichtungen sind das Centre de Recherches européennes – Fondation Jean Monnet pour l'Europe, das Centre de recherches sur les lettres romandes, das Institut Benjamin Constant und das Schweizerische Institut für Kunstwissenschaften.
Politik
Die kommunalen Behörden haben ihren Sitz seit dem
16. Jahrhundert im Hôtel de Ville de la Palud. Der Gemeinderat (Conseil communal) besteht aus 100 Mitgliedern, die im Proporzwahlsystem alle vier Jahre vom Volk gewählt werden. Die Exekutive, der Stadtrat, setzt sich aus sieben sogenannten Magistraten (Conseillers municipaux) zusammen, die bis
1981 vom Gemeindeparlament, seither ebenfalls vom Volk gewählt werden. Stadtpräsident (Syndic) ist Daniel Brélaz von der
Grünen Partei der Schweiz.
Bildungseinrichtungen
Lausanne hat eine wichtige Funktion als Bildungszentrum der Westschweiz. Zu den bedeutendsten Bildungseinrichtungen zählen die Universität (
Université de Lausanne), die
1890 gegründet wurde und sich heute in Dorigny befindet, sowie die
Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL;
Eidgenössische Technische Hochschule - Lausanne). Letztere entstand
1946, nachdem die vorher zur Universität gehörende Ingenieurschule mit einer neu gegründeten Architektenschule zusammengefasst wurde. Die Gebäude der EPFL stehen auf dem Gemeindegebiet von
Ecublens.
Daneben gibt es zahlreiche Berufsschulen, darunter die Hotelfachschule (
Ecole Hôtelière de Lausanne, EHL), die Ingenieurschule des Kantons Waadt (Ecole d'ingénieurs du Canton de Vaud, EIVD), die Haute Ecole de Gestion du Canton de Vaud (HEG-Vd; Verwaltung), die Krankenpflegeschule des Schweizerischen Roten Kreuzes und ein Konservatorium.
Sport
Ecole Hôtelière de Lausanne, EHL
Das
Internationale Olympische Komitee (IOC) hat seinen Hauptsitz in Lausanne und seit
1993 befindet sich dort auch das
Olympische Museum.
Daneben ist Lausanne Sitz verschiedener Sportweltverbände, so der
International Table Tennis Federation, der
Fédération Internationale de Volleyball, der
International Baseball Federation, der
Fédération Internationale d'Escrime (Fechten), der
International Equestrian Federation (Reitsport), der
Fédération Internationale des Luttes Associées (Ringen), der
International Dance Sport Federation (Tanzsport) und der
Fédération Internationale de Natation Amateur (Schwimmen).
Die Stadt besitzt bedeutende Sportanlagen, die sich vor allem in der Nähe des Seeufers und auf den Hügeln oberhalb von Lausanne befinden. Dazu zählen das Olympiastadion La Pontaise und das Centre Intercommunal de Malley mit rund 10000 Plätzen. Auf der Höhe von Chalet-à-Gobet an der Gemeindegrenze zu
Epalinges liegt ein Golfplatz.
Lausanne war einer von sechs Austragungsorten der
Fußball-Weltmeisterschaft 1954.
Tourismus
Fußball-Weltmeisterschaft 1954
Dank seiner sonnigen Lage am Hang über dem Genfersee, der malerischen Altstadt, den zahlreichen Museen, kulturellen Einrichtungen und Anlässe weist Lausanne einen bedeutenden Tourismus auf, welcher der Stadt auch willkommene Einnahmen bringt.
Kulturelle Einrichtungen und Anlässe
Zu den kulturellen Einrichtungen gehören das Stadttheater, das Théâtre de Beaulieu und das [http://www.vidy.ch/ Théâtre de Vidy], daneben zahlreiche weitere kleinere Theatersäle und Konzertsäle, sowie die Cinémathèque suisse. Ferner besitzt Lausanne ein Stadtarchiv, eine Stadtbibliothek, mehrere Volksbibliotheken, die Kantons- und die Universitätsbibliothek und verschiedene Fachbibliotheken.
Seit
1968 findet in Lausanne das Festival de la Cité, seit
1973 der Prix de Lausanne (ein Tanzwettbewerb) statt. Daneben gibt es den Concours de Lausanne der neuen Choreographie, das Béjart Ballett, alljährliche Konzerte mit klassischer Musik, Jazz, Rock und Volksmusik. Jeweils im September wird der
Comptoir Suisse abgehalten.
Museen
Als Kulturzentrum der Westschweiz besitzt Lausanne eine Reihe bedeutender Museen. Darunter sind das Kunstmuseum (zeigt seit
1841 die im Besitz des Kantons Waadt stehenden Kunstsammlungen), das Kantonale Museum für Archäologie und Geschichte (mit Sammlungen seit
1852), das
Musée de l'Elysée (ein Museum der schweizerischen Photographie) und das
Musée Olympique (dokumentiert die neuzeitliche olympische Bewegung seit
1896) zu nennen. Die
Fondation de l'Hermitage zeigt wechselnde Kunstausstellungen. Im weiteren verfügt die Stadt über zahlreiche Privatmuseen, Kunstgalerien und weitere Ausstellungen.
Erholungszonen
Fast das gesamte Seeufer auf dem Stadtgebiet ist als ausgedehnte Erholungszone mit Freizeit- und Sportanlagen, Schwimmbad, Seebad, Bootshafenanlagen, Campingplatz und Spielwiesen gestaltet. Es handelt sich hierbei um das umgestaltete Gelände, das
1964 für die Schweizerische Landesausstellung Expo 64 Lausanne benutzt wurde. Das überbaute Stadtgebiet wird durch mehrere Parks und Grünanlagen aufgelockert, beispielsweise durch den Botanischen Garten am isolierten Hügel Montriond, den Parc de Valency, das Gebiet bei Monrepos und die Esplanade de Montbenon. Zu den weiteren Naherholungsräumen zählen der Wald von Sauvabelin und das Gebiet um Chalet-à-Gobet.
Verkehr
1964
Lausanne ist ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt im Westschweizer Mittelland. Es liegt an der alten Haupt- und Handelsstrasse von
Genf über den Pass Chalet-à-Gobet nach
Bern. Weitere schon in früher Zeit wichtige Verbindungen bestanden entlang des Genfersees nach
Vevey und
Montreux sowie nach Norden in Richtung
Cossonay,
Orbe und
Yverdon.
Zu Beginn der
1960er Jahre erfolgte der Bau der Autobahn
A1 von Genf nach Lausanne, die bei Lausanne-Vidy endete. Die Strecke wurde
1964 rechtzeitig für die Landesausstellung in Lausanne in Betrieb genommen. Heute läuft der Abschnitt zwischen der Verzweigung Ecublens und Lausanne-Vidy unter der Bezeichnung A1A als westlicher Stadtzubringer Lausanne. Die nördliche Umfahrung von Lausanne, ein Streckenabschnitt der
A9 (Lausanne-Sion) mit mehreren Brückenbauwerken über die Täler wurde
1974 eröffnet.
1981 kam die nördliche Fortsetzung der A1 nach Yverdon-les-Bains hinzu.
Der
SBB-Bahnhof von Lausanne ist einer der wichtigsten des gesamten Landes. Von hier aus verkehren direkte Schnellzüge in fast alle Regionen der Schweiz, sowie eine TGV-Linie nach Paris. Die erste Eisenbahn erreichte Lausanne am
5. Mai 1856 mit der Eröffnung der Strecke Renens-Lausanne. Damit war Lausanne zunächst mit
Morges (ab 1858 mit Genf) und Yverdon (ab 1859 mit Neuenburg) verbunden. Am
2. April 1861 wurde der Streckenabschnitt Lausanne –
Villeneuve der Eisenbahnlinie von Lausanne ins
Wallis eröffnet. Rund anderthalb Jahre später, am
4. September 1862, wurde auch die Bahnlinie Lausanne-Bern in Betrieb genommen. Am
5. November 1873 folgte schliesslich die Einweihung des Abschnittes von Lausanne nach
Cheseaux-sur-Lausanne der Schmalspurbahn
Chemin de fer Lausanne-Echallens-Bercher, welche die nördlichen Vororte der Stadt erschliesst.
Der
ÖPNV wird in Lausanne durch die
Transports publics de la région Lausannoise abgewickelt. Diese Gesellschaft betreibt zahlreiche
Trolleybus- und
Autobuslinien auf dem Stadtgebiet und in der Agglomeration. Dazu kommen noch die
Funiculaire Lausanne-Ouchy und eine
Stadtbahn von Lausanne via Ecublens (Erschliessung der Universität in Dorigny und der EPFL) nach
Renens. Die Zahnradbahn wird zurzeit bis
Epalinges verlängert und in eine
U-Bahnlinie umgebaut; die Eröffnung der
Métro Lausanne soll im Dezember
2007 erfolgen.
Ferner ist Lausanne durch das Verkehrsnetz der Personenschifffahrt auf dem Genfersee mit zahlreichen Seeanstössergemeinden verbunden, darunter auch mit dem gegenüber liegenden
Evian-les-Bains in
Frankreich.
Auf der Hochfläche von Blécherette oberhalb des Stadtzentrums befindet sich seit
1911 der Flugplatz La Blécherette für Zivilflugzeuge.
Geschichte
1911
Das Stadtgebiet von Lausanne war bereits im 4. Jahrtausend vor Christus besiedelt. Die Römer errichteten an der Stelle einer keltischen Siedlung im Bereich des heutigen Vidy ein Militärlager, das sie
Lousanna nannten. Seit dem
1. Jahrhundert nach Christus entwickelte sich hier am Umschlagplatz von den Handelsschiffen auf dem Genfersee auf Pferdefuhrwerke ein römischer
Vicus. Dieser erreichte vermutlich eine Grösse von 1.2 km Länge und 250 m Breite und war der grösste Vicus der Schweiz. Im Lauf des
3. Jahrhunderts wurde diese Römersiedlung durch Einfälle der
Alamannen bedrängt und wahrscheinlich um
260 zerstört.
Bereits im
3. Jahrhundert entwickelte sich auf dem Hügel, wo sich heute die Kathedrale befindet, eine kleine Handwerkersiedlung oder ein Refugium. Der Name der Römersiedlung wurde auf diesen Ort übertragen. Im
6. Jahrhundert wurde auf diesem Hügel die erste Kirche errichtet, die dem heiligen Thyrsus geweiht war. Bischof
Marius verlegte seinen Sitz in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts von
Avenches nach Lausanne und begründete damit das
Bistum Lausanne. Er wurde
594 in der damaligen Kirche beigesetzt.
Der zunächst noch relativ kleine Ort gehörte in der Zeit von
888 bis
1032 zum Königreich
Hochburgund. Während des
11. Jahrhunderts entwickelte sich Lausanne zu einem politischen, wirtschaftlichen und religiösen Zentrum. Die Stadt wurde zum Zentrum der weltlichen Herrschaft der Bischöfe. In der nachfolgenden Zeit, insbesondere im
12. und
13. Jahrhundert erlebte Lausanne eine eigentliche Blütezeit.
Die Bürgerschaft von Lausanne, die sich
1234 ihre ersten politischen Rechte erkämpft hatte, erhielt in den folgenden Jahrhunderten immer wieder Unterstützung von den Grafen von
Savoyen gegen die Herrschaft der Bischöfe.
1476 wurde die Stadt von burgundischen Truppen unter
Karl dem Kühnen besetzt und nach der Schlacht von Grandson von den Eidgenossen geplündert. Am
6. Juli 1481 schlossen sich die Cité und die Unterstadt zusammen, die sich vorher unabhängig voneinander entwickelten. Die Stadt schloss
1525 mit Bern und Freiburg Burgrechtsverträge.
1525
Ein neues Kapitel in der Geschichte der Stadt Lausanne beginnt
1536, als die Berner das Waadtland eroberten. Die Bewohner der Stadt begrüssten die Einführung der
Reformation, und der damalige Bischof Sebastian von Montfaucon musste nach Savoyen fliehen. Damit verlor Lausanne seinen Status als Bischofssitz (das Bistum Lausanne, Genf und Freiburg hat seinen Sitz seit
1613 in
Freiburg). Dass die Berner die Bevölkerung von Lausanne zu ihren Untertanen machten und Lausanne zu einer Provinzstadt degradierten, wurde von den Einwohnern verständlicherweise mit Widerwillen entgegengenommen. Es gab deshalb mehrere Erhebungen gegen die Berner Vorherrschaft, darunter
1588 die Verschwörung von
Isbrand Daux, der das Waadtland in die Hände von Savoyen spielen wollte, und der Widerstand unter
Jean Daniel Abraham Davel im Jahr
1723.
Die Berner richteten
1536 die Vogtei Lausanne ein, die einen wesentlich grösseren Umfang als der heutige Bezirk Lausanne hatte. Sie erstreckte sich von der
Venoge entlang des Genferseeufers nach Osten bis vor die Stadt Vevey, umfasste im Norden die Hochfläche des Jorat und reichte im Nordosten bis in das Einzugsgebiet der
Broye.
Nach dem Zusammenbruch des
Ancien régime wurde Lausanne im Gefolge der Waadtländer Revolution
1798 zum Hauptort des Canton du Léman, der während der
Helvetik bis
1803 Bestand hatte, und anschliessend mit der Inkraftsetzung der
Mediationsverfassung im Kanton Waadt aufging. Damit wurde Lausanne zur Hauptstadt des neugeschaffenen Kantons. Als wichtiger Verwaltungssitz erlebte die Stadt im Lauf des
19. Jahrhunderts im Zuge der
Industrialisierung einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung. Durch die rege Bautätigkeit wuchs die Lausanne bereits um
1900 bis an seine Stadtgrenzen. Projekte einer Eingemeindung der Nachbarorte
Renens,
Prilly und
Epalinges scheiterten in der ersten Hälfte des
20. Jahrhunderts allesamt an der Ablehnung durch die Bevölkerung der Vorstädte. Im Schloss von Ouchy wurde am
24. Juli 1923 der
Vertrag von Lausanne geschlossen. Von Juni bis Juli
1932 fanden in der
Konferenz von Lausanne die Verhandlungen über Deutschlands Reparationen statt.
Sehenswürdigkeiten
Konferenz von Lausanne
Lausanne besitzt eine Reihe von sehenswerten Bauwerken. Herausragendes Bauwerk der Stadt ist die
Kathedrale Notre-Dame. Im
Quartier de la Cité auf dem Hügel bei der Kathedrale sind weitere bedeutende mittelalterliche Bauten erhalten. Das Schloss Saint-Maire ist ein von vier Ecktürmen flankierter massiver kubischer Bau, dessen oberstes Geschoss Backsteinarchitektur zeigt. Es wurde zu Beginn des
15. Jahrhunderts an der Stelle des Priorats Saint-Maire errichtet, diente als Bischofssitz und war während der Berner Zeit Sitz des Landvogts. Das alte bischöfliche Schloss an der Place de la Cathédrale stammt in seinem Kern aus dem
11. Jahrhundert, im Lauf der Zeit wurden aber mehrere neuere Gebäudeflügel angebaut; der Jacquemard-Turm (
1360-
80) war Teil der ursprünglichen Stadtbefestigung. Nahebei steht das Haus Gaudard von
1670. Die ehemalige Akademie, ein rechteckiges Gebäude mit Treppenturm, wurde von
1579 bis
1587 erbaut. Von
1803-
06 stammt das
klassizistische Bâtiment du Grand Conseil. Mit dem westlich angrenzenden Quartier de la Palud ist der Stadtteil Cité durch gedeckte Treppenläufe verbunden.
Das
Quartier de la Palud entwickelte sich in einer ehemals sumpfigen Geländemulde und diente als Marktquartier von Lausanne. Hier befindet sich das Hôtel de Ville (Rathaus), das
1672-
75 an der Stelle eines Vorgängerbaus errichtet und im
18. und
19. Jahrhundert vergrössert wurde. Es zeigt eine zweigeschossige
Renaissancefassade über Arkaden und besitzt einen Glockenturm. Im weiteren sind das Maison de Seigneux (heute Polizeiposten) in einem Stil im Übergang vom
Barock zum Frühklassizismus (
1732), das Haus Crousaz aus dem
18. Jahrhundert und der Gerechtigkeitsbrunnen (
16. Jahrhundert; das Original befindet sich im Museum) zu nennen. An der Place de la Riponne stehen der Palais de Rumine (
1898-
1906) im Neurenaissancestil, das ursprünglich zur Aufnahme der Universität, der Bibliothek und eines Museums bestimmt war, sowie das ehemalige Musée Arlaud (
1836-
39).
Im
Quartier du Bourg befindet sich die reformierte Kirche Saint-François, ehemalige Kirche des
1258 gegründeten Franziskanerklosters. Der einschiffige Bau mit Kreuzrippengewölbe stammt von
1270, musste aber
1368 nach einem Brand neu erstellt werden. Der Glockenturm wurde im
15. Jahrhundert errichtet.
Am Eingang zum
Quartier Saint-Laurent steht die Tour de l'Ale, ein Rundturm aus dem
13. und
14. Jahrhundert, der als eines der wenigen mittelalterlichen Festungsbauwerke noch erhalten ist. Die reformierte Kirche Saint-Laurent wurde
1716-
19 an der Stelle einer Kirche aus dem
11. Jahrhundert erbaut und
1761-
63 mit einer Barockfassade versehen. Das Maison de l'Elysée ist ein Herrenhaus, das
1780-
83 erstellt wurde.
In den Aussenquartieren befinden sich zahlreiche Schlösser und Herrensitze sowie andere Prachtbauten. Dazu zählen das Schloss Beaulieu (
1763-
66), das Schloss Béthusy aus dem
18. Jahrhundert, das klassizistische Haus Villamont (
1791-
93), das Maison de Mon-Repos (
1819-
27), in dem früher das Musée Olympique untergebracht war, sowie die imposanten
neoklassizistischen Bauten des Bundesgerichts (Tribunal Fédéral;
1922-
27), der Kantonalbank (
1903) und des Postgebäudes (
1896-
1900).
In Ouchy, dem traditionellen Hafen von Lausanne, stehen mehrere Hotelbauten aus dem
19. Jahrhundert, beispielsweise das Hôtel du Château d'Ouchy (
1889-
93) im neugotischen Stil, das Hôtel d'Angleterre (
1775-
79) und das Hôtel Beau-Rivage (
1858-
61). Entlang des Genfersees gibt es ausgedehnte Parkanlagen mit Skulpturen sowie am Quai eine neugotische Turmruine von
1830.
Persönlichkeiten mit Bezug zu Lausanne
1830
Schweizer
-
Aloïse Corbaz
-
David Bennent, Schauspieler
-
Johann Ludwig Burckhardt, Orientreisender
-
Stéphane Chapuisat, Fussballer
-
Jean Daniel Abraham Davel, Offizier und Rebell
-
Jean-Pascal Delamuraz, Bundesrat
-
Oswald Heer, Paläontologe
-
Franziska Rochat-Moser, Leichtathletin
-
Fabienne Pakleppa, Schriftstellerin
-
Auguste Piccard, Wissenschaftler
-
Bertrand Piccard, Wissenschaftler
-
Félix Vallotton, Maler und Grafiker
-
Pierre Viret, Reformator von Lausanne
-
Oswald Zappelli, Fechter
Ausländer
-
Umberto Agnelli, italienischer Unternehmer
-
Jean Anouilh, französischer Schriftsteller
-
Pierre de Coubertin, französischer Baron und IOC-Gründer
-
Carl Peter Fabergé, Goldschmied und Juwelier
-
Fausia, persische Kaiserin
-
Guillaume Franc, französischer Komponist
-
Egon von Fürstenberg, deutsch-italienischer Modedesigner
-
José Giovanni, Schriftsteller und Filmemacher
-
Waldemar Mordecai Haffkine, ukrainischer Bakteriologe
-
Robin Kenyatta, amerikanischer Saxophonist
-
Carl Gustaf Mannerheim, finnischer Offizier und Staatsmann
-
James Mason, englischer Filmschauspieler
-
Vladimir Nabokov, russischer Schriftsteller
-
Hugo Pratt, italienischer Comic-Autor
-
Ubol Ratana, thailändische Prinzessin
-
Georges Simenon, französischer Schriftsteller
-
Karol Szymanowski, polnischer Komponist
-
Eugène Viollet-le-Duc, französischer Architekt
-
Victoria von Battenberg, Königin von Spanien
-
Philipp von Ferrary, Philatelist
Weblinks
- [http://www.lausanne.ch Offizielle Website der Stadt Lausanne]
- [http://www.lausanne-tourisme.ch Informationen für Touristen]
- [http://www.swisscastles.ch/aviation/Vaud/lausanne/carte.html Umfangreiches Archiv von Luftaufnahmen der Stadt]
- [http://www.swisscastles.ch/Vaud/chateau/lausanne.html Die Schlösser von Lausanne]
- [http://www.unil.ch Universität Lausanne]
- [http://www.epfl.ch Eidg. Technische Hochschule Lausanne]
- [http://www.museum.olympic.org Olympisches Museum]
Kategorie:Ort in der Schweiz
Kategorie:Ort im Kanton Waadt
Kategorie:Schweizer Gemeinde
Kategorie:Hauptort eines Kantons (Schweiz)
ja:ローザンヌ
Jorat
Der Jorat (früherer deutscher Name:
Jurten) ist ein waldreiches Hochland im Kanton
Waadt im
Westschweizer Mittelland, nordöstlich von
Lausanne. Sein Name hat den gleichen Ursprung wie der
Jura; das keltische Wort
jor bedeutet soviel wie
Wald oder
Waldland.
Begrenzt wird das Gebiet des Jorat im Süden durch den
Genfersee und die
Lavaux, im Osten durch die Mulde von
Forel und das
Broyetal, im Norden durch die Talsysteme der
Mentue mit Zuflüssen sowie im Westen durch die Fläche des
Gros de Vaud. Gegen Süden fällt das Hochland des Jorat verhältnismässig steil ab, während es sich gegen die anderen Himmelsrichtungen nur allmählich abdacht, und keine klaren geographischen Grenzen ersichtlich sind. Der höchste Punkt dieses Molassehochlandes erreicht 929 m ü. M.
Der Zentralteil des Jorat ist durch einen grossen Wald, den
Bois du Jorat, bedeckt. Dieser ist Quellgebiet der Flüsse
Talent, Mentue und
Bressonne. An den Rändern des Waldlandes wird wegen der Höhenlage hauptsächlich Weidewirtschaft betrieben, Ackerbau hat nur eine geringe Bedeutung. Der Jorat wird von der alten Hauptstrasse von Lausanne nach
Bern im Pass Chalet-à-Gobet auf 873 m ü. M. überquert.
Weblinks
- [http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D12240.html Artikel
Jorat] im
Historischen Lexikon der Schweiz
Kategorie:Berg in der Schweiz Mittelland (Schweiz)
Das Mittelland bildet neben dem
Jura und den
Alpen eine der drei Grosslandschaften der
Schweiz und macht etwa 30 % der schweizerischen Landesfläche aus. Es umfasst das teils flache, weitgehend jedoch hügelige Gebiet zwischen Jura und Alpen und liegt im Mittel auf einer Höhe von 400 bis 600
m ü. M. Es ist die weitaus am dichtesten besiedelte Region der Schweiz und dadurch auch wirtschaftlich und verkehrstechnisch der bedeutendste Grossraum des Landes.
m ü. M.
Lage
m ü. M.
Das Schweizer Mittelland wird im Nordwesten und Norden geographisch wie auch geologisch durch die langgestreckten Höhenzüge des Juras klar abgegrenzt. Im Süden gegen die Alpen hin ist die Grenze geographisch nicht genau definiert. Meist wird der an einigen Orten relativ abrupte Anstieg zu Höhen über 1500 m ü. M. (Kalkalpen, teilweise auch Berge der subalpinen Molasse) als Kriterium für die Abgrenzung genommen. Gelegentlich werden die Regionen des höheren Mittellandes, insbesondere die Freiburger Hügellandschaft, das Napfgebiet, das Tössbergland und Teile des Appenzellerlandes zum schweizerischen Alpenvorland im engeren Sinne gezählt. Wenn man jedoch nur die Grosslandschaften in Betracht zieht, gehört das Alpenvorland eindeutig noch zum Mittelland. Die südwestliche Grenze des Schweizer Mittellandes bildet der
Genfersee, die nordöstliche Grenze der
Bodensee zusammen mit dem
Rhein.
Geologisch stellt das Mittelland eine Beckenzone dar, die sich auch über die schweizerischen Landesgrenzen hinaus erstreckt. Im Südwesten auf
französischem Gebiet verengt sich das Becken im
Genevois und endet bei
Chambéry, wo sich Jura und Alpen zusammenschliessen. Jenseits des Bodensees setzt sich das Mittelland im süddeutschen und österreichischen
Alpenvorland fort.
Auf schweizerischem Staatsgebiet hat das Mittelland eine Längenausdehnung von rund 300 km bei einer von West nach Ost zunehmenden Breite. Im Raum
Genf beträgt die Breite knapp 30 km, im Raum
Bern etwa 50 km und in der Ostschweiz rund 70 km.
Zahlreiche Kantone haben Anteil am Mittelland. Vollständige Mittellandkantone sind
Zürich,
Thurgau und
Genf; überwiegend im Mittelland liegen die Kantonsgebiete von
Luzern,
Aargau,
Solothurn,
Bern,
Freiburg und
Waadt; kleinere Anteile finden sich ferner in den Kantonen
Neuenburg,
Zug,
Schwyz,
Sankt Gallen und
Schaffhausen.
Geologie
Schichtfolge
Aufgrund zahlreicher Tiefbohrungen auf Erdöl und Erdgas sind die Gesteinsfolgen im Schweizer Mittelland relativ gut erforscht. Die Basis bildet das kristalline Grundgebirge, das in den Zentralmassiven der Alpen wie auch im
Schwarzwald und in den
Vogesen zutage tritt, im Bereich von Jura und Mittelland aber als tiefe
Geosynklinale ausgebildet ist. Etwa 2500–3000 m unterhalb der Erdoberfläche, in Alpennähe auch deutlich tiefer, stösst man im Mittelland bei Bohrungen jeweils auf dieses Grundgebirge. Über dem Grundgebirge lagert die ungefaltete Schichtfolge der mesozoischen Sedimente aus den Zeitaltern von
Trias,
Jura und
Kreide; sie ist im Mittelland nirgends aufgeschlossen. Ihre Dicke nimmt von West nach Ost allmählich von 2.5 auf 0.8 km ab. Diese Schichten wurden wie diejenigen des Juragebirges in einem verhältnismässig flachen Meeresbecken, der
Tethys, abgelagert. Auf die mesozoischen Schichten kamen die
Molassesedimente zu liegen. Diese bestehen aus Abtragungsprodukten der Alpen, mehrheitlich Nagelfluh (Konglomerate), Sande, Mergel und Tone, die unter dem Druck von überlagernden Sedimenten zu Gestein verfestigt wurden. Die Deckschicht schliesslich bilden die Schotter und Lockergesteine, welche von den eiszeitlichen Gletschern transportiert wurden.
Molasse
Geologisch von grösster Bedeutung im Schweizer Mittelland sind die mächtigen Molassesedimente, welche als Folge der Gebirgserosion am Alpenrand abgelagert wurden. Die Schichtdicke der Molasse nimmt (bei gleicher Entfernung von den Alpen) von West nach Ost zu. Die damaligen Flüsse aus den Alpen – im Allgemeinen nicht kongruent mit dem heutigen Flussnetz – bauten am Gebirgsfuss bedeutende Schwemmfächer auf. Wichtigste Beispiele dafür sind der Napf- und der
Hörnli-Schwemmfächer, weitere Fächer gab es im Gebiet des
Rigi, im Schwarzenburgerland und im Gebiet zwischen dem östlichen Genfersee und dem Mittellauf der
Saane.
Das Erosionsmaterial wurde nach seiner Korngrösse sortiert. So wurde grobkörniges Material vorwiegend in Alpennähe sedimentiert, sobald die Fliessgeschwindigkeit des Wassers als Transportmedium zu gering wurde, um die gröberen Steine in der Schwebe zu halten. Im mittleren Teil des Beckens findet man hauptsächlich die feinkörnigeren Sandsteine und an dessen Nordrand in Juranähe Tone und Mergel.
Entstehungsgeschichte der Molasse im Mittelland
In der ersten Zeit des
Tertiärs vor rund 60–40 Millionen Jahren war das Gebiet des heutigen Schweizer Mittellandes ein verkarstetes Kalkplateau, das sich leicht nach Süden neigte und auch in diese Richtung entwässert wurde. In der Folgezeit wurde dieses Plateau durch Hebungs- und Senkungsvorgänge im Zusammenhang mit der Alpenbildung zweimal vom Meer überflutet. Man unterscheidet daher die entsprechenden Ablagerungen als Meeresmolasse und Süsswassermolasse, wobei unter letzterer nicht in erster Linie Sedimente in Süsswasserseen, sondern vor allem Ablagerungen durch Flusssysteme und Windverfrachtung verstanden werden sollten (also eher eine „Festlandmolasse“).
- Untere Meeresmolasse (vor etwa 37–30 Millionen Jahren): Allmählich senkte sich das Kalkplateau ab, und ein flacher Meeresarm drang vor, der im Osten bis zu den Karpaten reichte. Die Sedimente bestanden aus feinkörnigen Sanden, Tonen und Mergeln; Nagelfluhfächer gab es noch keine, weil die eigentliche Hebung der Alpen erst am Ende dieser Periode beginnt.
- Untere Süsswassermolasse (vor etwa 30–22 Millionen Jahren): Das Meer wich einerseits wegen Hebungsvorgängen, andererseits wegen einer weltweiten Meeresspiegelabsenkung zurück. Zusammen mit der Alpenfaltung setzte die Gebirgserosion ein und die ersten Nagelfluhfächer entstanden.
- Obere Meeresmolasse (vor etwa 22–16 Millionen Jahren): Erneut drang ein flacher Meeresarm vor und die Bildung der Nagelfluhfächer von Napf und Hörnli begann.
- Obere Süsswassermolasse (vor etwa 16–2 Millionen Jahren): Das Meer zog sich nun endgültig zurück. Der Aufbau des Napf- und Hörnlifächers (sowie weiterer kleinerer Schwemmfächer) ging weiter, so dass diese am Ende der Periode eine Schichtdicke von rund 1500 Meter erreichten.
In der nachfolgenden Zeit wurde vor allem der westliche Teil des Mittellandes nochmals stark gehoben, wodurch in diesem Gebiet die Sedimente der Oberen Meeres- und Süsswassermolasse weitgehend wieder erodiert wurden.
Charakteristisch für die Sedimente der Meeresmolassen sind versteinerte Schnecken, Muscheln und Haifischzähne. Demgegenüber findet man in den Süsswassermolassen Versteinerungen von typischen Festlandsäugetieren aber auch Reste der damaligen subtropischen Vegetation (z.B. Palmblätter).
Eiszeitliche Überprägung
Seine heutige Landschaftsgestalt hat das Mittelland während der Überprägung durch die
eiszeitlichen Gletscher erhalten. Während aller bekannten alpinen Vereisungsstadien (Günz-,
Mindel-,
Riss- und
Würmeiszeit) stiessen gewaltige Gletschereismassen weit ins Mittelland vor. Die dazwischen liegenden Warmzeiten verursachten jeweils ein Rückzug der Gletscher in die Hochalpen (teilweise geringere Ausdehnung als heute), und im Mittelland machte sich subtropische Vegetation breit.
Würmeiszeit
Während der Eiszeiten teilte sich der
Rhonegletscher jeweils am Ausgang der Alpen in zwei Arme, von denen der eine sich über das ganze westliche Mittelland bis in die Regionen Solothurn und Aarau ausdehnte. Im Raum Bern vereinigte er sich mit dem Aaregletscher. Auch der Reuss-, der Linth- und der Rheingletscher stiessen teilweise bis an den Jura vor. Dabei formten die Eismassen das Land einerseits durch die Tiefenerosion, andererseits durch Ablagerungen von oft mehrere Meter mächtigen Grundmoränen (sehr fein zermahlenes Gesteinsmehl) sowie durch Ablagerung von Schotter durch die Flüsse im Vorfeld der Gletscher.
Spuren der älteren Günz- und Mindeleiszeit sind jedoch nur an wenigen Orten übriggeblieben, da sie von den Gletschern der nachfolgenden Eiszeiten beseitigt oder umgelagert wurden. Ihre grösste Ausdehnung erreichten die Gletscher in der Risseiszeit, während der das ganze Mittelland ausser das Napfgebiet und das Tössbergland vom Eis bedeckt war. Von der Würmeiszeit, die etwa 115000 Jahre vor der Gegenwart begann, zeugen weitaus die meisten Spuren. Die Endmoränen der Gletscher sowie die Ablagerungen der verschiedenen Rückzugsstadien sind erhalten geblieben.
Landschaftsformen
Bei einem Blick auf die Landkarte kann man noch heute die Fliessrichtung der eiszeitlichen Gletscher erkennen. Die weite Ausdehnung des Rhonegletschers nach Nordosten zeigen der zum Jura und zu den Alpen parallele Verlauf der Täler (
Broye,
Glâne) und Seen (
Neuenburger-,
Bieler und
Murtensee) in der Westschweiz an. Reuss- und Linthgletscher haben die von Südosten nach Nordwesten verlaufenden Täler (u.a.
Wigger-,
Suhren-,
See- und
Reusstal) und Seen (
Zürichsee,
Greifensee,
Hallwilersee,
Sempachersee) des zentralen Mittellandes geschaffen. Der Rheingletscher hinterliess in der Nordostschweiz mehrheitlich in Ost-West-Richtung verlaufende Spuren (
Thurtal, Untersee des
Bodensees). Mancherorts gibt es charakteristische
Drumlins aus gepresstem Grundmoränenmaterial, die meist in grösseren Schwärmen auftreten, besonders typisch im
Zürcher Oberland, im Hirzelgebiet, im Bodenseegebiet sowie zwischen dem Reusstal und dem
Baldeggersee.
Weitere wichtige Vermächtnisse der Gletscher im Mittelland sind neben dem See- und Flusssystem die
Findlinge, welche über das ganze Gebiet verstreut anzutreffen sind. Diese zum Teil riesigen erratischen Blöcke (beispielsweise bei
Steinhof) aus ortsfremdem Gestein, meist Granit oder Gneis, der nur in den Hochalpen vorkommt, waren unter anderem der Schlüssel zur Begründung der Eiszeittheorie im 19. Jahrhundert, da ein Transport allein durch Wasserkraft physikalisch nicht möglich ist.
Schliesslich sind auch die Schotterablagerungen in den Talsohlen des Mittellandes ein Zeugnis der Eiszeiten. Während der Gletscherzeit sowie beim Vorstoss und Rückzug der Gletscher wurden zum Teil mächtige Schotterschichten in den Tälern abgelagert, die in der nachfolgenden Warmzeit jeweils bis auf einige Reste wieder wegerodiert wurden. Viele Täler weisen deshalb ein Terrassensystem auf: Die Niederterrasse besteht aus Schotter der Würmeiszeit, die Hochterrasse aus Ablagerungen der Risseiszeit. Manchmal sind auch noch Deckenschotter der älteren Eiszeiten zu finden.
Topographie
Steinhof
Obwohl das Schweizer Mittelland ein Becken darstellt, ist es keineswegs als ebene Landschaft einzustufen, sondern es weist eine je nach Region bisweilen sehr vielfältige naturräumliche Gliederung auf. Wichtige Elemente sind die beiden grossen Seen, Genfer- und Bodensee, welche das Schweizer Mittelland im Südwesten und Nordosten begrenzen. Das westliche Mittelland ist geprägt durch Hochflächen (
Gros de Vaud, bis 600 m ü. M.) und Molassehügelländer (
Jorat, bis 900 m ü. M.; Freiburger Hügelland, 600 - 1200 m ü. M.), in welche zum Teil tiefe Täler eingegraben sind. Nur in Juranähe besteht mit dem Tal der
Venoge und der
Orbeebene eine nahezu durchgehende Senke, welche durch den Querriegel des Mormont, über den die Hauptwasserscheide zwischen Rhone und Rhein auf nur 500 m ü. M. verläuft, zweigeteilt wird. Das
Seeland bildet die grösste ebene Fläche des Mittellandes, aber auch darin erheben sich einzelne Molasserücken. Nach Osten schliessen sich nun verschiedene Hügelländer an, die gegen Norden allmählich niedriger werden. Eine weitere grössere Fläche ist die von der
Emme durchflossene Ebene des Wasseramtes. Die entlang dem Jurasüdfuss meist in einem breiten Tal fliessende
Aare nimmt alle aus dem höheren Mittelland und den Alpen kommenden Flüsse wie eine Dachrinne auf.
Aare
Das zentrale Mittelland ist charakterisiert durch eine Anzahl Südost-Nordwest ausgerichteter breiter Höhenrücken (u.a.
Erlosen,
Lindenberg) und dazwischen liegender weiter Täler, teilweise mit Seen (Sempacher-, Hallwiler- und Baldeggersee). Den östlichen Abschluss davon bildet die
Albiskette, die zusammen mit der
Heitersbergkette einen quer durch das Mittelland zwischen Jura und Alpen verlaufenden Riegel schafft, der nur an wenigen Orten von den leistungsstarken Verkehrsträgern meist mit Tunnels passiert werden kann.
Das östliche Mittelland wird in die Täler der
Limmat (mit Zürichsee),
Glatt (mit Greifensee),
Töss und
Thur gegliedert. Dazwischen erheben sich Hügelländer, im
Thurgau auch wieder breite Molasserücken (
Seerücken,
Ottenberg).
Von den genannten Landschaftsformen heben sich zwei Hügelgebiete deutlich ab. Es sind dies das Napfgebiet (mit Höhen bis 1408 m ü. M. zugleich der höchste Punkt des Mittellandes) und das Tössbergland (bis 1300 m ü. M.), beides Überreste der tertiären Nagelfluh-Schwemmfächer. Diese wurden im Lauf der Zeit stark erodiert, wegen ihrer Höhenlage jedoch nicht durch die eiszeitliche Vergletscherung überformt. Deshalb entstanden tief eingekerbte, steilwandige Täler (Gräben) und ein stark verzweigtes, dichtes Gewässernetz.
Klima
Ottenberg
Das Schweizer Mittelland liegt im Übergangsbereich vom feuchtmaritimen zum kontinental-gemässigten Klima mit überwiegendem Wind aus westlichen Richtungen. Im tieferen Mittelland beträgt die mittlere Jahrestemperatur etwa 9 - 10 °C. Im Januar weisen das Genferseegebiet sowie die ufernahen Bereiche von Neuenburger- und Bielersee mit rund +1 °C die höchsten Mitteltemperaturen auf. Bei gleicher Höhenlage besteht ein leichtes West-Ost-Gefälle; im kältesten Monat werden im Bodenseeraum mittlere Temperaturen von –1 °C erreicht. Die Mitteltemperatur des Monats Juli beträgt im Raum Genf +20 °C, aber auch entlang dem gesamten Jurasüdfuss werden durchschnittlich 18 - 19 °C erreicht, in den höheren, alpennäheren Gebieten etwa 16 - 18 °C. Auch bezüglich der mittleren jährlichen Sonnenscheindauer ist der Genferseeraum begünstigt mit über 1900 Stunden, im übrigen Mittelland sind es 1600 (vor allem im Osten) bis 1900 Stunden.
Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge bewegt sich zwischen 800 mm in Juranähe, 1200 mm im höheren Mittelland und 1400 mm am Alpenrand. Die trockensten Regionen des Mittellandes befinden sich im Lee des Hochjuras zwischen Morges und Neuenburg. Schneedeckentage gibt es heutzutage in den wärmsten Regionen am Genfer- und Neuenburgersee weniger als 20 pro Jahr, im restlichen Mittelland je nach Höhenlage zwischen 20 und 40 pro Jahr.
Im Winterhalbjahr bildet sich bei austauscharmen Wetterlagen im Mittelland ein Kaltluftsee, wobei es meist zur Nebel- oder Hochnebelbildung kommt. Dann liegt das gesamte Mittelland über mehrere Tage, teilweise sogar Wochen hinweg unter einer dicken Nebeldecke, während die angrenzenden Gebiete (Jura und Alpen) vom schönen Wetter profitieren. Typisch bei Hochnebellagen ist die
Bise, ein kalter Nordostwind. Dieser erreicht wegen der Kanalisierung im gegen Westen schmaler werdenden Mittelland seine grössten Stärken im Genferseeraum, wo bei klassischer Bisenlage nicht selten mittlere Windgeschwindigkeiten von 60 km/h und Böenspitzen bis über 100 km/h registriert werden. Die alpennahen Gebiete des zentralen und östlichen Mittellandes kommen manchmal in den Genuss von warmen
Föhnwinden.
Vegetation
Dominierend im Schweizer Mittelland ist der Laubmischwald mit den Hauptvertretern
Buche und
Tanne. Vielerorts gibt es aus wirtschaftlichen Gründen angepflanzte grössere Fichtenbestände, denn die Fichten kommen von Natur aus in den unteren Lagen kaum vor. An begünstigten, wärmeren und trockeneren Orten im Genferseegebiet, im Seeland sowie in der Nordschweiz von der Aaremündung bis nach Schaffhausen bilden
Eichen,
Linden und
Ahorn die wichtigsten Bäume des Waldbestandes.
Bevölkerung
600pxDas dicht besiedelte Mittelland: Blick vom
Uetliberg auf Zürich.
Obwohl das Mittelland nur etwa 30% der Fläche der Schweiz ausmacht, leben hier rund 5 Millionen Menschen oder etwas mehr als zwei Drittel der Wohnbevölkerung der Schweiz. Daher ist das Mittelland mit 380 Einwohnern pro Quadratkilometer dicht besiedelt. Alle Schweizer Städte mit über 50000 Einwohnern (außer
Basel) befinden sich im Mittelland, zu den wichtigsten zählen
Zürich,
Genf,
Bern und
Lausanne. Die Schwerpunkte der Besiedlung liegen deshalb auch im Bereich der Agglomerationen dieser Städte. Die Agglomeration Zürich allein zählt nahezu 1 Million Einwohner. Weitere dicht besiedelte Gebiete liegen entlang dem Jurasüdfuß sowie im Raum
Luzern,
Winterthur und
Sankt Gallen. Demgegenüber weisen die Regionen des höheren Mittellandes im Bereich des Jorat, im Napfgebiet und im Tössbergland eine dünne Besiedlung auf, vorwiegend kleine Bauerndörfer und verstreute Einzelhöfe.
Die Mehrheit der Bevölkerung im Schweizer Mittelland ist deutschsprachig; im westlichen Teil wird Französisch gesprochen. Die Sprachgrenze besteht seit vielen Jahrhunderten nahezu am gleichen Ort und ist nicht an eine geographische Trennlinie gebunden. Sie verläuft von
Biel via
Erlach,
Murten und
Freiburg im Üchtland zum
Schwarzsee in den Freiburger Alpen. Dabei sind die Städte Biel/Bienne, Murten/Morat und Freiburg/Fribourg offiziell zweisprachig. Ortschaften entlang der Sprachgrenze besitzen in der Regel einen deutschen und einen französischen Namen (siehe auch:
Liste deutscher Bezeichnungen Schweizer Orte,
Liste französischer Bezeichnungen von deutschsprachigen Schweizer Orten).
Im Rahmen eines kurzen Abrisses der Siedlungsgeschichte sind folgende Punkte zu erwähnen: Die ersten besiedelten Räume im Neolithikum stellten die See- und Flussufer des Mittellandes dar (Pfahlbauten). Erste Dörfer bestehend aus Holzhütten entstanden ab dem 3. Jahrhundert vor Christus nach der Einwanderung von keltischen Stämmen. Städtische Siedlungen mit Steinhäusern entwickelten sich in der römischen Zeit, die 15 vor Christus mit der Einverleibung des Gebiets der Helvetier in das Römische Reich unter Kaiser Augustus begann und bis zum Ende des 3. Jahrhunderts nach Christus dauerte. Die drei wichtigsten Orte in der römischen Zeit waren
Aventicum (
Avenches),
Vindonissa und Colonia Iulia Equestris (
Nyon). Sie waren durch ein gut ausgebautes Netz von Heeresstraßen miteinander verbunden. Nach dem Rückzug der Römer wurde das westliche Mittelland durch die romanisierten Burgunder, das zentrale und das östliche Mittelland durch die Alemannen besiedelt, wodurch sich die Sprachgrenze etablierte.
Während des Mittelalters kam es zu zahlreichen Stadtgründungen, hauptsächlich im klimatisch günstiger gelegenen tieferen Mittelland. So gab es um 1500 bereits etwa 130 Städte, die durch ein dichtes Verkehrsnetz verbunden waren. Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert gewannen die Städte rasch an Bedeutung und besonders ab 1860 begann ein rasantes Bevölkerungswachstum der Städte, das rund 100 Jahre lang anhielt. Die nächste Trendumkehr begann etwa 1970, als die
Stadtflucht einsetzte. Dadurch wuchsen die stadtnahen Gemeinden überproportional stark, während gleichzeitig die Kernstadt Einwohner verlor. In neuester Zeit verlagert sich dieser Wachstumsgürtel immer weiter nach außen, und die Zersiedelung des Landes schreitet weiter voran.
Wirtschaft
Dank seinem günstigen Klima und den fruchtbaren Böden gilt das tiefere westliche Mittelland als wichtigste Ackerbauregion der Schweiz. Vorherrschender Bodentyp ist die
Parabraunerde, in höheren Lagen die
Braunerde. Hauptanbauprodukte des Ackerbaus sind
Weizen,
Gerste,
Mais,
Zuckerrüben und
Kartoffeln; besonders im
Seeland hat auch der
Gemüsebau einen grossen Stellenwert. An begünstigten Lagen entlang der Seen, am Jurasüdfuss sowie im
Zürcher Weinland und im
Klettgau werden Reben gepflanzt. Wiesland mit Milchwirtschaft und Mastviehhaltung überwiegt im östlichen Mittelland sowie in den höheren Regionen des übrigen Mittellandes. Insbesondere im Kanton
Thurgau hat der
Obstbau (Äpfel) eine grosse Bedeutung.
Die Wälder des Mittellandes werden
forstwirtschaftlich genutzt; es bestehen verteilt über das ganze Land zahlreiche Fichtenforste. Wegen des wertvollen Holzertrags werden die Fichten oft in Reinbeständen angepflanzt.
Auch bezüglich der Wirtschaft ist das Mittelland die Kernregion der Schweiz. Als traditioneller Industriezweig ist die Textil- und Bekleidungsindustrie vor allem im zentralen und östlichen Mittelland zu nennen; sie hat aber in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung verloren. Wichtigste Industriezweige in der heutigen Zeit sind Maschinen- und Fahrzeugbau, Elektro-, Elektronik-, feinmechanische und optische Industrie sowie Metallbau. In der Nahrungs- und Genussmittelindustrie werden sowohl die einheimischen landwirtschaftlichen Erzeugnisse als auch Importe verarbeitet. Ferner sind auch Holz- und Papierverarbeitung von Bedeutung.
forstwirtschaft
Wie die übrige Schweiz ist auch das Mittelland arm an Bodenschätzen. Jedoch gibt es dank dem Vorstossen der Gletscher während der Eiszeiten in genügenden Mengen
Kies und
Ton. Der Kiesabbau im Bereich der eiszeitlichen Schotterterrassen ist in den Tälern des gesamten Mittellandes verbreitet und deckt den Bedarf der Baustoffindustrie.
Mittels zahlreicher
Flusskraftwerke wird die Wasserkraft zur Elektrizitätsgewinnung genutzt. Im weiteren stehen alle fünf schweizerischen
Kernkraftwerke im Mittelland. Es sind dies die Kernkraftwerke
Gösgen,
Mühleberg,
Leibstadt sowie
Beznau I und II.
Verkehr
Aufgrund der für schweizerische Verhältnisse relativ einfachen Topographie und der dichten Besiedlung ist das Verkehrsnetz im Mittelland sehr gut ausgebaut. Die wichtigste Transversale, sozusagen das Rückgrat des Mittellandes, bildet die
Autobahn A1, welche von Genf via Lausanne, Bern, Zürich, Winterthur nach Sankt Gallen führt und alle grossen Städte miteinander verbindet. Ihr letztes Teilstück zwischen
Yverdon-les-Bains und
Estavayer-le-Lac wurde erst 2001 eröffnet; es wird dieser bis anhin strukturschwachen Mittellandregion zu einem wirtschaftlichen Aufschwung verhelfen. Die
Autobahn A2 als schweizerische Nord-Süd-Achse durchquert das Mittelland zwischen Olten und Luzern.
Das Eisenbahnnetz ist seit alters her sehr dicht. Wie mit der A1 sind auch mit der Bahn alle wichtigen Städte direkt miteinander verbunden, wobei es zwischen Lausanne und Olten zwei Hauptlinien gibt. Die eine führt von Lausanne via Freiburg und Bern nach Olten, die andere verläuft entlang dem Jurasüdfuss und erschliesst die Städte Yverdon-les-Bains, Neuenburg, Biel und Solothurn. Einen Quantensprung gab es am
12. Dezember 2004, als die Neubaustrecke zwischen
Mattstetten und
Rothrist (
Bahn 2000) eröffnet wurde, was die Fahrzeit auf dieser Strecke um 15 Minuten verkürzte. Eine Zugfahrt zwischen Bern und Zürich dauert nun etwas weniger als eine Stunde.
Die zwei wichtigsten Schweizer Flughäfen befinden sich im Mittelland: der
Flughafen Zürich-Kloten in der Ebene des
Glattals bei
Kloten sowie der Flughafen Genf an der Landesgrenze am Nordwestrand der Stadt. Bern als Hauptstadt der Schweiz besitzt hingegen nur einen kleinen Flughafen (Bern-Belp).
Tourismus
Im Gegensatz zu den Alpen ist das Schweizer Mittelland, insbesondere der ländliche Raum, nicht auf Tourismus und Fremdenverkehr ausgerichtet; es bildet hauptsächlich eine Durchgangsregion. Einzig die grösseren Städte mit ihren Sehenswürdigkeiten, vor allem die Altstädte von Bern und Luzern, aber auch Zürich, Sankt Gallen, Freiburg, Genf und Lausanne, ziehen den Stadttourismus an. Als Natursehenswürdigkeit stellt der Rheinfall bei Schaffhausen einen weiteren Magnet für den Tourismus dar. Vom Fremdenverkehr profitieren ausserdem noch die Regionen am Genfersee sowie die Dreiseenregion
Neuenburgersee,
Bielersee und
Murtensee, in welcher im Jahr
2002 die Landesausstellung
Expo.02 stattgefunden hatte. Für
Baden,
Schinznach-Bad,
Yverdon-les-Bains und
Zurzach mit ihren Thermalbädern spielt ausserdem der Kurtourismus eine bedeutende Rolle.
Siehe auch
-
Geschichte der Schweiz
Literatur
- Toni P. Labhart:
Geologie der Schweiz. Ott Verlag, Thun, 2004. ISBN 3722567629.
- François Jeanneret und Franz Auf der Maur:
Der grosse Schweizer Atlas. Kümmerly + Frey, Geographischer Verlag, Bern, 1992. ISBN 3259088504.
- Andre Odermatt und Daniel Wachter:
Schweiz, eine moderne Geographie. Neue Zürcher Zeitung, Zürich, 2004. ISBN 3038230979.
Weblinks
- [http://members.fortunecity.com/revieruba/beschreib/waldspaz/geologie.htm Geologie der Schweiz]
- [http://mypage.bluewin.ch/chesi/steine/geologie01.htm Geologie des Mittellandes]
- [http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D8566.html Historisches Lexikon der Schweiz: Mittelland]
Kategorie:Geographie (Schweiz)
Kategorie:Region der Schweiz
als:Mittelland (Schweiz)
Carrouge VD
Carrouge ist eine politische Gemeinde im Distrikt
Oron des
Kantons Waadt in der
Schweiz.
Geographie
Carrouge liegt auf 728 m ü. M., 15 km nordöstlich der Kantonshauptstadt
Lausanne (Luftlinie). Das Dorf erstreckt sich auf einer Kuppe westlich des Tals des
Carrouge, östlich des Hochplateaus des
Jorat, im Waadtländer
Mittelland.
Die Fläche des 5.4 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt des Molassehügellandes zwischen dem Jorat und dem Oberlauf der
Broye. Der zentrale Teil des Gebietes wird im Westen von der
Bressonne, im Osten vom Carrouge begrenzt. Dazwischen befindet sich der Höhenrücken
Champ du Bochet (757 m ü. M.), von dem die Geländekuppe von Carrouge durch ein kleines Tal getrennt ist. Nach Südwesten erstreckt sich der Gemeindeboden in den Wald von
La Côte (mit 783 m ü. M. höchster Punkt von Carrouge) auf der Ostabdachung des Jorat. Ein kleiner Gemeindeteil liegt östlich des Baches Carrouge und reicht über das angrenzende Plateau (720 m ü. M.) bis in das Einzugsgebiet des Baches
Parimbot. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 10 % auf Siedlungen, 20 % auf Wald und Gehölze und 70 % auf Landwirtschaft.
Zu Carrouge gehören die Weiler
Le Borgeau (711 m ü. M.) östlich des Baches Carrouge,
La Croix-d'Or (722 m ü. M.) und
Ecorche-Boeuf (715 m ü. M.) im Tal der Bressonne sowie einige kleinere Hofsiedlungen und mehrere Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Carrouge sind
Vulliens,
Ferlens,
Mézières,
Montpreveyres,
Ropraz und
Vucherens.
Bevölkerung
Mit 770 Einwohnern (Ende 2003) gehört Carrouge zu den kleineren Gemeinden des Kantons Waadt. Von den Bewohnern sind 92.8 % französischsprachig, 3.7 % deutschsprachig und 0.9 % italienischsprachig (Stand 2000). Die Bevölkerungszahl von Carrouge belief sich
1850 auf 524 Einwohner,
1900 auf 410 Einwohner. Danach blieb die Bevölkerungszahl bis
1960 nahezu stabil. Seither wurde eine starke Bevölkerungszunahme verbunden mit einer Verdoppelung der Einwohnerzahl innerhalb von 40 Jahren verzeichnet. Das Siedlungsgebiet von Carrouge ist heute mit demjenigen von Mézières fast lückenlos zusammengewachsen.
Wirtschaft
Carrouge war bis in die zweite Hälfte des
20. Jahrhunderts ein vorwiegend durch die
Landwirtschaft geprägtes Dorf. Noch heute haben der
Ackerbau, der
Obstbau und die
Viehzucht einen wichtigen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Mit der Schaffung einer Gewerbezone um
2000 liessen sich in den letzten Jahren neue Unternehmen in Carrouge nieder, welche in den Branchen Informatik, Holzhandel und Schreinerei tätig sind. Weitere Arbeitsplätze sind im lokalen Kleingewerbe und im Dienstleistungssektor vorhanden. Durch die Erstellung von zahlreichen Einfamilienhäusern in den letzten Jahrzehnten hat sich das Dorf zu einer Wohngemeinde entwickelt. Viele Erwerbstätige sind deshalb Wegpendler, die vor allem in Moudon und in
Lausanne arbeiten. Carrouge ist Standort des Cinéma du Jorat.
Verkehr
Die Gemeinde ist verkehrstechnisch gut erschlossen. Sie liegt an der Hauptstrasse von Moudon via
Chexbres nach
Vevey, besitzt aber auch eine gute Verbindung zur Hauptstrasse 1 (Lausanne-Moudon). Durch die Autobuslinie 62 der
Transports publics de la région Lausannoise, die von Lausanne nach Moudon verkehrt, ist Carrouge an das Netz des öffentlichen Verkehrs angebunden.
Geschichte
Das Gemeindegebiet von Carrouge war bereits zur
Römerzeit besiedelt, was durch die Überreste einer römischen Villa und durch Münzfunde bestätigt werden konnte. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte
1255 unter dem Namen
Carrogium. Im Mittelalter erschienen die Bezeichnungen
Carrojoz und
Carroge, und im
19. Jahrhundert war auch die Schreibweise
Carouge verbreitet. Der Ortsname ist vom lateinischen Wort
quadrivium (Wegkreuz) abgeleitet, aus dem die altfranzösische Variante
carroge entstand.
Carrouge, das unter der Oberhoheit der Savoyer stand, war vom
13. bis zum
15. Jahrhundert mit der Herrschaft Vulliens vereinigt. Danach bildete es eine eigene Herrschaft, zu der auch Mézières und Les Cullayes gehörten. Die Dorfherren gaben im
16. Jahrhundert das Schloss in Carrouge auf und übersiedelten in das Schloss Carrouge in der Altstadt von
Moudon.
Mit der Eroberung der Waadt durch
Bern im Jahr
1536 gelangte das Dorf unter die Verwaltung der Landvogtei
Moudon. Nach dem Zusammenbruch des
Ancien régime gehörte Carrouge von
1798 bis
1803 während der
Helvetik zum
Kanton Léman, der anschliessend mit der Inkraftsetzung der
Mediationsverfassung im Kanton Waadt aufging.
1798 wurde es dem Bezirk Oron zugeteilt.
Sehenswürdigkeiten
Die reformierte Kirche von Carrouge, eine einfache Landkirche im Berner Stil, wurde
1709 erbaut und
1795 mit einer Turmuhr versehen. Das
klassizistische Schulhaus wurde zu Beginn des
19. Jahrhunderts erbaut.
Weblinks
- [http://www.carrouge.ch/ Offizielle Website der Gemeinde Carrouge (französisch)]
- [http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D2551.html Artikel
Carrouge (VD)] im
Historischen Lexikon der Schweiz
- [http://www.swisscastles.ch/aviation/Vaud/aaville2/carrouge.html Luftaufnahmen des Dorfes]
Kategorie:Ort in der Schweiz
Kategorie:Ort im Kanton Waadt
Kategorie:Schweizer Gemeinde
Ferlens
Ferlens ist eine politische Gemeinde im Distrikt
Oron des
Kantons Waadt in der
Schweiz.
Geographie
Ferlens liegt auf 747 m ü. M., 4 km nordwestlich des Bezirkshauptorts
Oron-la-Ville und 14 km nordöstlich von
Lausanne (Luftlinie). Das ehemalige Bauerndorf erstreckt sich auf einer Höhe westlich des oberen Broyetals, auf der Ostabdachung des Hochplateaus des
Jorat, im Waadtländer
Mittelland.
Die Fläche des 2.2 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt der Molassehöhen zwischen dem Jorat und dem Oberlauf der
Broye. Die westliche Grenze verläuft entlang des Baches
Carrouge. Von hier erstreckt sich der Gemeindeboden ostwärts auf die breite Höhe von Ferlens, auf der mit 768 m ü. M. der höchste Punkt der Gemeinde erreicht wird. Diese Höhe senkt sich allmählich nach Osten in das Tal des
Parimbot und zum Wald von
Fey. Ein schmaler Zipfel im Nordosten reicht in das ausgedehnte Waldgebiet
Bois de Ban (bis 718 m ü. M.). Von der Gemeindefläche entfielen 1997 5 % auf Siedlungen, 22 % auf Wald und Gehölze und 73 % auf Landwirtschaft.
Zu Ferlens gehören mehrere Hofsiedlungen und Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Ferlens sind
Servion,
Mézières,
Carrouge und
Vulliens im Kanton Waadt sowie
Ecublens und
Auboranges im Kanton
Freiburg.
Bevölkerung
Mit 281 Einwohnern (Ende 2003) gehört Ferlens zu den kleinen Gemeinden des Kantons Waadt. Von den Bewohnern sind 92.1 % französischsprachig, 6.4 % deutschsprachig und 1.5 % italienischsprachig (Stand 2000). Die Bevölkerungszahl von Ferlens belief sich
1850 auf 229 Einwohner,
1900 auf 209 Einwohner. Danach wurde durch stetige Abwanderung bis
1970 eine Abnahme auf 142 Einwohner verzeichnet; seither stieg die Bevölkerungszahl wieder markant an und verdoppelte sich innerhalb von 30 Jahren.
Wirtschaft
Ferlens war bis in die zweite Hälfte des
20. Jahrhunderts ein vorwiegend durch die
Landwirtschaft geprägtes Dorf. Noch heute haben der
Ackerbau und die
Viehzucht einen wichtigen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Weitere Arbeitsplätze sind im lokalen Kleingewerbe und im Dienstleistungssektor vorhanden. Durch den Bau zahlreicher Einfamilienhäuser in den letzten Jahrzehnten hat sich das Dorf auch zu einer Wohngemeinde entwickelt. Viele Erwerbstätige sind deshalb Wegpendler, die vor allem in
Lausanne arbeiten.
Verkehr
Die Gemeinde liegt abseits grösserer Durchgangsstrassen an einer Verbindungsstrasse von
Mézières nach Oron-la-Ville. Durch einen Postautokurs, der von Mézières nach Oron-la-Ville verkehrt, ist Ferlens an das Netz des öffentlichen Verkehrs angebunden.
Geschichte
Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte
1146 bereits unter dem heutigen Namen. Später erschienen die Bezeichnungen
Fellens (
1180) sowie
Ferlyn und
Ferlin um
1330. Der Ortsname geht auf den burgundischen Personennamen
Ferila zurück und bedeutet
bei den Leuten des Ferila. Aufgrund des Fundes einer Nekropole, die auf das
8. und
9. Jahrhundert datiert wird, war Ferlens schon wesentlich vor seiner ersten Nennung besiedelt.
Das Gebiet von Ferlens gehörte im
Hochmittelalter zur Abtei
Saint-Maurice. Es wurde um
1150 der neu gegründeten Zisterzienserabtei
Haut-Crêt geschenkt. Später war Ferlens Teil der Herrschaft Oron. Mit der Eroberung der Waadt durch
Bern im Jahr
1536 gelangte das Dorf unter die Verwaltung der Landvogtei
Moudon, wurde
1557 aber der neu gegründeten Vogtei Oron angeschlossen. Nach dem Zusammenbruch des
Ancien régime gehörte Ferlens von
1798 bis
1803 während der
Helvetik zum
Kanton Léman, der anschliessend mit der Inkraftsetzung der
Mediationsverfassung im Kanton Waadt aufging.
1798 wurde es dem Bezirk Oron zugeteilt. Bis
1820 bildete Ferlens zusammen mit Servion eine Gemeinde, erst seither ist es eine politisch selbständige Gemeinde. Ferlens besitzt keine eigene Kirche; es gehört zur Pfarrei Mézières.
Weblinks
- [http://www.ferlens.ch/ Offizielle Website der Gemeinde Ferlens (französisch)]
- [http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D2558.html Artikel
Ferlens (VD)] im
Historischen Lexikon der Schweiz
- [http://www.swisscastles.ch/aviation/Vaud/ferlens.html Luftaufnahmen des Dorfes]
Kategorie:Ort in der Schweiz
Kategorie:Ort im Kanton Waadt
Kategorie:Schweizer Gemeinde
Servion
Servion ist eine politische Gemeinde im Distrikt
Oron des
Kantons Waadt in der
Schweiz.
Geographie
Servion liegt auf 752 m ü. M., 3.5 km westlich des Bezirkshauptortes
Oron-la-Ville und 13 km nordöstlich von
Lausanne (Luftlinie). Die
Streusiedlungsgemeinde erstreckt sich auf einer Hochfläche und am Bach
Carrouge östlich des
Jorat, im Waadtländer
Mittelland.
Die Fläche des 4.2 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt der Molassehöhen zwischen dem Jorat und dem Oberlauf der
Broye. Der zentrale Teil des Gebietes wird von der breiten Talniederung des Baches Carrouge eingenommen. Im Nordosten schliessen die Hügel von Servion (bis 782 m ü. M.) an, und die östliche Grenze verläuft entlang des
Parimbot, eines linken Seitenbachs der Broye. Nach Südwesten erstreckt sich der Gemeindeboden in das Waldgebiet
Bois de Villars, in dem mit 855 m ü. M. der höchste Punkt von Servion erreicht wird. Im Süden reicht Servion bis auf die Höhe von
Pra Donnabbé (722 m ü. M.). Von der Gemeindefläche entfielen 1997 15 % auf Siedlungen, 24 % auf Wald und Gehölze und 61 % auf Landwirtschaft.
Zu Servion gehören mehrere Siedlungskerne entlang der Strassen, die das Gemeindegebiet queren, die Einfamilienhaussiedlung
Chez Favet (765 m ü. M.) auf einem Hügel zwischen den Bächen Carrouge und Parimbot sowie einige Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Servion sind
Essertes,
Forel (Lavaux),
Les Cullayes,
Mézières und
Ferlens im Kanton Waadt sowie
Auboranges im Kanton
Freiburg.
Bevölkerung
Mit 1048 Einwohnern (Ende 2004) gehört Servion zu den mittelgrossen Gemeinden des Kantons Waadt. Von den Bewohnern sind 89.7 % französischsprachig, 4.0 % deutschsprachig und 2.0 % italienischsprachig (Stand 2000). Die Bevölkerungszahl von Servion belief sich
1900 auf 333 Einwohner. Danach wurde durch stetige Abwanderung bis
1960 eine Abnahme auf 198 Einwohner verzeichnet; seither stieg die Bevölkerungszahl wieder markant an und verfünffachte sich innerhalb von 40 Jahren.
Wirtschaft
Servion war bis in die zweite Hälfte des
20. Jahrhunderts ein vorwiegend durch die
Landwirtschaft geprägtes Dorf. Heute haben der
Ackerbau und die
Viehzucht nur noch einen geringen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Zahlreiche weitere Arbeitsplätze sind im lokalen Kleingewerbe und vor allem im Dienstleistungssektor vorhanden. Ein Gewerbegebiet entwickelte sich im Tal des Carrouge. Hier haben sich Unternehmen in den Bereichen Bau- und Transportgewerbe, Pneumatik, Elektronik und Feinmechanik niedergelassen. Durch den Bau zahlreicher Einfamilienhäuser in den letzten Jahrzehnten hat sich das Dorf auch zu einer Wohngemeinde entwickelt. Viele Erwerbstätige sind deshalb Wegpendler, die vor allem in
Lausanne arbeiten.
Attraktionen
Servion ist überregional bekannt wegen seiner beiden Touristenattraktionen, dem
Zoo de Servion und dem Tropiquarium. Ferner befindet sich im Dorf das Théâtre Barnabé.
Verkehr
Die Gemeinde ist verkehrstechnisch recht gut erschlossen. Sie liegt an der Hauptstrasse von
Moudon nach
Vevey. Servion ist Endstation der Autobuslinie 65 der
Transports publics de la région Lausannoise und damit direkt mit dem Zentrum der Kantonshauptstadt verbunden. Auch der Postautokurs, der auf der Strecke Mézières-Oron-la-Ville verkehrt, bedient das Dorf.
Geschichte
Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte
1141 unter dem Namen
Salvion. Später erschienen zahlreiche weitere Bezeichnungen:
Salviacum (im
12. Jahrhundert),
Salvium (
1147),
Sarviacum (
1155),
Sarvion (
1236) und
Sarvyon (
1291). Der Ortsname geht auf den gallorömischen Geschlechtsnamen
Salvius zurück.
Im
Mittelalter gehörte Servion einer Adelsfamilie, welche den gleichen Namen trug. Auch die Zisterzienserabtei
Haut-Crêt hatte Grundbesitz auf dem Gemeindegebiet.
1259 kam das Dorf als Lehen an
Peter von Savoyen. Nach der Eroberung des Waadtlandes durch Bern gelangte Servion im Jahr
1557 an die bernische Landvogtei
Oron. Nach dem Zusammenbruch des
Ancien régime gehörte das Dorf von
1798 bis
1803 während der
Helvetik zum
Kanton Léman, der anschliessend mit der Inkraftsetzung der
Mediationsverfassung im Kanton Waadt aufging.
1798 wurde es dem Bezirk Oron zugeteilt.
Bis
1820 bildete Servion zusammen mit Ferlens eine einzige Gemeinde, erst nach der Abtrennung von Ferlens entstanden die heutigen Gemeindegrenzen.
1938 wurden auf dem Gemeindegebiet Probebohrungen nach
Erdöl vorgenommen, die jedoch erfolglos blieben. Derzeit wird eine Studie über die Machbarkeit der Fusion von Servion mit den Nachbargemeinden
Montpreveyres, Les Cullayes und Mézières durchgeführt.
Sehenswürdigkeiten
Die Kirche von Servion geht im Kern auf eine Kapelle von
1453 zurück; der Glockenturm wurde im
19. Jahrhundert hinzugefügt.
Weblinks
- [http://www.servion.ch/ Offizielle Website der Gemeinde Servion (französisch)]
- [http://www.swisscastles.ch/aviation/Vaud/Servion.html Luftaufnahmen des Dorfes]
- [http://www.zoo-servion.ch/ Zoo von Servion (französisch)]
- [http://www.barnabe.ch/ Théâtre Barnabé (französisch)]
Kategorie:Ort in der Schweiz
Kategorie:Ort im Kanton Waadt
Kategorie:Schweizer Gemeinde
Les Cullayes
Les Cullayes ist eine politische Gemeinde im Distrikt
Oron des
Kantons Waadt in der
Schweiz.
Geographie
Les Cullayes liegt auf 836 m ü. M., 11 km nordöstlich der Kantonshauptstadt
Lausanne (Luftlinie). Die
Streusiedlungsgemeinde erstreckt sich auf einer offenen Hochfläche, auf der Ostabdachung des Hochplateaus des
Jorat, im Waadtländer
Mittelland.
Die Fläche des 2.1 km² grossen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt der Molassehöhen zwischen dem Jorat und dem Oberlauf der
Broye. Die westliche Grenze bildet der leicht in die
Molasseschichten eingetiefte Oberlauf
Bressonne. Von hier erstreckt sich der Gemeindeboden ostwärts über die Rodungsinsel von Les Cullayes (auf der mit 838 m ü. M. der höchste Punkt der Gemeinde erreicht wird) und eine Talsenke bis zum Hügel
Bois de Villars (bis 835 m ü. M.). Nach Nordosten reicht das Gebiet an den Rand der breiten Talniederung des
Carrouge. Im Süden verläuft die Grenze entlang des Waldrandes des
Bois du Grand Jorat. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 15 % auf Siedlungen, 9 % auf Wald und Gehölze und 76 % auf Landwirtschaft.
Zu Les Cullayes gehören die Hofsiedlungen
Le Bougnon (812 m ü. M.) nordwestlich und
Les Moures (814 m ü. M.) östlich des Dorfes sowie mehrere Einzelhöfe. Nachbargemeinden von Les Cullayes sind
Mézières,
Servion,
Forel (Lavaux),
Savigny und
Montpreveyres.
Bevölkerung
Mit 655 Einwohnern (Ende 2003) gehört Les Cullayes zu den kleineren Gemeinden des Kantons Waadt. Von den Bewohnern sind 88.7 % französischsprachig, 8.0 % deutschsprachig und 1.1 % portugiesischsprachig (Stand 2000). Die Bevölkerungszahl von Les Cullayes belief sich
1850 auf 264 Einwohner,
1900 auf 219 Einwohner. Danach wurde durch starke Abwanderung bis
1960 eine Abnahme auf 138 Einwohner verzeichnet. Seither erfolgte eine rasche Bevölkerungszunahme mit einer Verfünffachung der Einwohnerzahl innerhalb von 40 Jahren.
Wirtschaft
Les Cullayes war bis in die zweite Hälfte des
20. Jahrhunderts ein vorwiegend durch die
Landwirtschaft geprägtes Dorf. Heute haben der
Ackerbau und die
Viehzucht nur noch einen geringen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Weitere Arbeitsplätze sind im lokalen Kleingewerbe und im Dienstleistungssektor vorhanden. In den letzten Jahren haben sich in Les Cullayes neue Unternehmen niedergelassen, darunter ein Betrieb für Klimaanlagen und ein Elektroinstallationsgeschäft. Durch den Bau von Einfamilienhäusern in den letzten Jahrzehnten hat sich das Dorf zu einer Wohngemeinde entwickelt. Viele Erwerbstätige sind deshalb Wegpendler, die vor allem in
Lausanne arbeiten.
Verkehr
Die Gemeinde liegt abseits grösserer Durchgangsstrassen, besitzt aber eine gute Verbindung zur Hauptstrasse 1 (Lausanne-Moudon). Durch einen Postautokurs, der von Montpreveyres nach Les Cullayes verkehrt, ist das Dorf an das Netz des öffentlichen Verkehrs angebunden.
Geschichte
Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte
1359 unter dem Namen
Culaes. Im Dialekt (
Patois) wurde lange auch die Form
Les Ecoulayés verwendet. Im
Mittelalter war Les Cullayes Teil der Herrschaft Vulliens; nach
1370 gehörte es zur Herrschaft Mézières. Mit der Eroberung der Waadt durch
Bern im Jahr
1536 gelangte das Dorf unter die Verwaltung der Landvogtei
Moudon. Nach dem Zusammenbruch des
Ancien régime gehörte Les Cullayes von
1798 bis
1803 während der
Helvetik zum
Kanton Léman, der anschliessend mit der Inkraftsetzung der
Mediationsverfassung im Kanton Waadt aufgin