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Jean Meslier

Jean Meslier

Jean Meslier (auch: Abbé Meslier;
- 1664; † 1729) war ein katholischer Pfarrer der Frühaufklärung. Er wurde durch ein posthum veröffentlichtes offen atheistisches Pamphlet berühmt. Jean Meslier wurde 1664 als Sohn eines Händlers im französischen Mazerny in den Ardennen geboren. Im Alter von 25 Jahren wurde er Pfarrer des nahegelegenen Dorfes Étrépigny. Dieses Amt übte er bis zu seinem Tod im Jahr 1729 aus. Meslier empörte sich über die schlechte Behandlung der Bauern seiner Gemeinde durch den adeligen Grundherrn von Touilly und prangerte diese auch in seinen Predigten an. Dies brachte ihm den strengen Tadel seines Bischofs ein. Zu Lebzeiten äußerte Meslier daraufhin keine öffentliche Kritik mehr. Seine posthume 'Abrechnung' jedoch hatte beachtliche Auswirkungen. Meslier setzte sich intensiv mit dem Werk Démonstration de l'existence de Dieu (Demonstration der Existenz Gottes) von François Fénelon außeinander. In Auseinandersetzung mit diesem Werk verfasste Meslier seine eigenen umfangreichen Pensées et sentiments (Gedanken und Meinungen). Das Manuskript vermachte er in drei Exemplaren heimlich Mitgliedern seiner Pfarrgemeinde. Im Geheimen wurden weitere Kopien seines Werkes angefertigt. Friedrich II., Jean-Jacques Rousseau, Voltaire, Baron d'Holbach, Diderot, d'Alembert und sämtliche Enzyklopädisten lasen es und wurden von Meslier beeinflusst. Im Jahr 1762 ließ Voltaire, ohne sich als Herausgeber zu erkennen zu geben, Auszüge aus Mesliers Werk publizieren. Diese Passagen sind im Original so voll ätzender Kritik, dass Voltaire sie umschrieb und abmilderte, was ihren ursprünglichen Inhalt zum Teil entstellte. Mesliers ursprünglicher radikaler Atheismus findet sich in der Ausgabe Voltaires zum vorsichtigen Deismus verwandelt. Auch Baron d'Holbach veröffentlichte ein Werk über Meslier und sein Testament (Le bon sens du Curé Jean Meslier suivi de son testament). Sein 'Testament' macht Meslier zu einem der herausragenden Vorläufer des Zeitalters der Aufklärung. In der Neuzeit war Meslier der erste, der einen kompromisslosen Atheismus vertrat. Gleichzeitig entwickelte Meslier frühzeitig einen rigorosen Materialismus und eine von anarchistischem und kommunistischem Gedankengut geprägte Konzeption der Gesellschaft.

Zitate

Von Meslier stammen folgende Zitate, die zum Teil in der Französischen Revolution wieder aufgenommen wurden:
- "Ich möchte, und dies sei der letzte und der sehnlichste meiner Wünsche, ich möchte dass der letzte der Könige erwürgt werde mit den Gedärmen des letzten Priesters."
- "Steht auf, vereint Euch gegen Eure Feinde, gegen die, die Euch mit Elend und Ignoranz bedrücken. Verwerft alle die nichtigen und abergläubischen Praktiken der Religionen. Schenkt den falschen Mysterien keinerlei Glauben, lacht über alles, was Euch die selbstsüchtigen Priester sagen. Denn dies ist der verhängnisvolle und wahre Grund aller Eurer Leiden... Euer Heil ist in Euren Händen, Eure Erlösung hängt nur von Euch ab, denn es seid Ihr allein, von denen die Tyrannen ihre Kraft und ihre Macht beziehen."
- Macht die tyrannische Regierung der Fürsten und Priester überall schändlich. Unterstützt Euch in dieser so gerechten und so notwendigen Sache, in der es sich um das Algemeinwohl ("l'intérêt commun") aller Völker handelt."
-
"Behaltet die Reichtümer und Güter, die Ihr im Schweiße Eures Angesichts erarbeitet für Euch. Gebt nichts davon an diese prächtigen und unnützen Faulenzer, nichts an all diese Mönche und Kleriker, die unnütz auf der Erde wohnen, nichts an diese hochmütigen Tyrannen, die Euch verachten..." (Jean Meslier / Testament)

Literatur


- von Holbach, Paul Heinrich Dietrich:
Le bon sens du Curé Jean Meslier suivi de son testament. G. Olms, 1970, ISBN: B0000BRNVF
- J. Haar:
Jean Meslier und die Beziehungen von Voltaire und Holbach zu ihm. Diss. Hamburg 1928
- Hagen, Friedrich:
Jean Meslier oder: Ein Atheist im Priesterrock. Gollenstein Verlag, 1984, ISBN: 3880970467
- Mensching, Günther (Hrsg.):
Das Testament des Abbe Meslier Suhrkamp, 1976, ISBN: 3518060007
- Minois, Georges:
Geschichte des Atheismus: Von den Anfängen bis zur Gegenwart [umfassendes Buch zur Geschichte des Atheismus, über Meslier im 4. Teil, 10. Kapitel], Böhlaus Nachfolger 2000, ISBN 3-7400-1104-1
- Krauss, Hartmut (Hg.):
Das Testament des Abbé Meslier. Die Grundschrift der modernen Religionskritik. Hintergrund Verlag, Osnabrück, 2005, ISBN: 300015292X

Links


- [http://homepage.mac.com/guyjacqu/meslier/index.html Mesliers
Testament in der Version Voltaires (französisch)]
- [http://www.jungewelt.de/beilage/art/739 Artikel der "jungen Welt" über Meslier und sein Testament] Meslier,Jean Meslier,Jean Meslier,Jean Meslier,Jean Meslier,Jean Meslier,Jean Meslier,Jean

Pfarrer

Pfarrer ist ein in christlichen Kirchen und Gemeinschaften verwendeter Begriff für eine Person, die mit der Leitung von Gottesdiensten, der seelsorglichen Betreuung und in der Regel auch der Leitung einer Gemeinde betraut ist. In der Katholischen Kirche trifft letzteres immer zu - statt der Leitung einer Gemeinde kann ein Pfarrer jedoch auch einen anderen, speziellen Dienst (siehe unten) übernehmen-, da hier gerade dies den Pfarrer vom Nichtpfarrer unterscheidet. Die beiden großen Kirchen in Deutschland regeln die Rechte und Pflichten der Pfarrer und (in der evangelischen Kirche auch) Pfarrerinnen durch Kirchengesetz (Pfarrerdienstrecht), das sich weitgehend am staatlichen Beamtenrecht und an den Laufbahnen von Studienräten orientiert. Ein Pfarrer bekleidet ein Pfarramt und ist dementsprechend eine Amtsperson. Weil der (katholische) Pfarrer der Leiter einer Pfarrei ist oder war, bezeichnet der Begriff Pfarrer immer das Amt. Dahingegen ist der Begriff Pastor ein Titel. Ein Pastor ist deshalb nicht immer auch Pfarrer. Ein Pfarrer trägt aber immer auch den Titel Pastor. Der Begriff Stadtpfarrer ist ein heute seltener verwendeter Titel bzw. eine Anrede für den leitenden Pfarrer einer Pfarre innerhalb einer Stadt. Häufig wird heute in Großstädten ein (leitender) Stadtdechant (römisch-katholisch) bzw. Stadtdekan (evangelisch) ernannt, gelegentlich mit dem Titel Propst. Seine Stellung und Aufgaben hängen von der Konfession ab: in den evangelischen Kirchen und der altkatholischen Kirche ist der Pfarrer meist von der Gemeinde gewählt, in der römisch-katholischen Kirche wird er vom Bischof ernannt. Allgemein kann man sagen, dass ihm Aufgaben im Bereich des Gottesdienstes, des Bildungsauftrages der Kirche und der Seelsorge sowie in der Praxis meist auch im Bereich der gemeindlichen Bau- und Verwaltungstätigkeit obliegen. In den evangelischen Kirchen ist es stets ein ordinierter Theologe, in der katholischen, anglikanischen und orthodoxen Kirche ein eigens geweihter Priester. (Nach evangelischem Verständnis sind alle Gläubigen qua Taufe Priester, d.h. Menschen mit unmittelbarem Zugang zu Gott und insbesondere der Kompetenz, Sünden zu vergeben, daher erübrigt sich eine eigene Priesterweihe.). Katholische Pfarrer sind als Priester dem Zölibat verpflichtet, müssen also unverheiratet leben. Neben dem Wirkungsbereich innerhalb einer Ortsgemeinde (Pfarrei; in Österreich: Pfarre) arbeiten Pfarrer auch in anderen Institutionen: Schulpfarrer, Krankenhauspfarrer, Gefängnispfarrer, Leiter karitativer Einrichtungen, Studenten-/Hochschulpfarrer, Studienleiter an Akademien, Wirtschafts- und Sozialpfarrer, Betriebsseelsorger, Militärpfarrer, Polizeipfarrer, Fernsehpfarrer, Medienpfarrer, Zirkuspfarrer oder Schaustellerpfarrer. Das Wort "Pfarrer" hat seinen Ursprung in der griechischen Bezeichnung "parochia", welches einen Bezirk oder ein Gebiet bedeutet(ursprünglich auch im weltlichen Bereich üblich), so dass der "Pfarrer" den "Pfarr(h)er(r)n" eines Gebietes, einer "Parochie" darstellt.

Siehe auch

Prediger, Kaplan, Vikar, Leutpriester, Pastor, Pfarrverweser

Weblinks


- [http://www.theologie-systematisch.de/ekklesiologie/12staende.htm Aktuelle Literatur zum Beruf],
- [http://www.pfaffenheini.net Website eines katholischen Pfarrers], Kategorie:Beruf ! Kategorie:Kirchenrecht


Frühaufklärung

Als Frühaufklärung bezeichnet man die Epoche des Zeitalters der Aufklärung, in der das aufklärerische Gedankengut vornehmlich durch geheime und anonyme Texte verbreitet wurde sowie mündlich in exklusiven "cercles de pensées". Einer ihrer radikalsten Vertreter in Frankreich war der atheistische Pfarrer Jean Meslier. Zu den bedeutendsten Frühaufklärern zählen Fontenelle, Pierre Bayle und Montesquieu. Als weitere Frühaufklärer sind zu nennen: Nicolas Fréret, Jean Baptiste de Mirabaud, César Chesneau Du Marsais oder André Francois Boureau-Deslandes. Ein gewisse Lockerung der Zensur setzte nach dem Tod Ludwig XIV. 1715 ein. Kategorie:Philosophie der Aufklärung Kategorie:Zeitalter

Atheismus

Als Atheismus wird die weltanschauliche Grundhaltung des Nichtglaubens bzw. des Fehlens eines Glaubens an einen Gott bezeichnet („glauben“ im Sinne von „annehmen, für wahr halten“). Atheismus kann mit der ausdrücklichen Verneinung der Existenz eines Gottes (oder mehrerer Götter) und allgemein transzendentaler Wesen einhergehen. Der Begriff "Atheismus" leitet sich vom altgriechischen Adjektiv átheos (άθεος) ab und bedeutet wörtlich: ohne Gott. In seiner latinisierten Form tauchte der Begriff wohl erstmals bei Cicero auf. Im deutschen Schrifttum erschien das Wort in lateinischer Form ab Ende des 16. Jahrhunderts, ab Beginn des 18. Jahrhunderts gilt es als eingedeutscht. Die Bezeichnung átheos war lange Zeit ein Kampfbegriff, der von den Nicht-Gläubigen zunächst nicht übernommen wurde. Es handelte sich um eine abwertende Wortschöpfung, die von den sich als rechtgläubig Bezeichnenden gegen angeblich oder wirklich Ungläubige benutzt wurde. Atheismus wurde im Sinne von "gottlos" auf Anschauungen angewendet, die im Konflikt mit den etablierten Religionen standen. Vielfach wurden religiöse Strömungen mit eigenen neuen Gottesvorstellungen als atheistisch bezeichnet, beispielsweise wurden die ersten Vertreter der großen monotheistischen Religionen des Christentums, des Islams und des Judentums teilweise von ihren polytheistischen Gegnern als Atheisten qualifiziert. Heute wird die Bezeichnung "Atheismus" tendenziell weniger pejorativ verwendet. Im wissenschaftlichen Diskurs ist "Atheismus" ein wertneutraler Begriff. Sein direkter Gegenpart ist der Theismus.

Systematik des Begriffs

Es gibt verschiedene, sich teilweise überschneidende und widersprechende Einordnungen und Systematisierungen des Begriffs "Atheismus". Weithin gebräuchlich ist die Dreigliederung in den Glauben an Gott bzw. Götter (insbesondere Theismus und Deismus), das Nichtswissen über Gott bzw. Götter (Agnostizismus), sowie das Fehlen des Glaubens an Gott oder Götter (Atheismus). Insbesondere im angelsächsischen Raum ist hingegen die Unterscheidung in "starken" (bzw. "positiven") und "schwachen" (bzw. "negativen") Atheismus verbreitet, indem auch der Agnostizismus als Form des schwachen Atheismus gesehen wird. Nach letzterer Systematik kann der Atheismus nach verschiedenen Kriterien hin systematisch geordnet werden. # Unterscheidung nach dem Umfang der Ablehnung von Theismen: ## Atheismus als Ablehnung des Theismus (= Atheismus im engeren Sinne):
Atheismus kann als Gegenentwurf zu allen Theismen (Monotheismus und Polytheismus) angesehen werden. Dann ist ein Atheist jemand, der den Glauben oder die Existenz an einen oder mehrere Götter ablehnt. Dieser Definition nach sind Buddhisten Atheisten, da diese an keine Götter glauben. ## Atheismus als Ablehnung aller Transzendentalsysteme (= Atheismus im weiteren Sinne):
Atheismus kann auch als Gegenentwurf zu allen Transzendentalsystemen angesehen werden, also Überzeugungssystemen, die für die Existenz übernatürlicher Wesen, Wirkkräfte oder Mächte – seien es Götter oder nicht – argumentieren. Ein Atheist in diesem weiteren Sinne lehnt auch den Glauben oder die Existenz aller sinnlicher Erfahrung übersteigenden Dinge (Wesen, Mächten, Kräften etc.) ab. Abgelehnt werden damit u.a.: ##
- alle Theismen im obigen Sinne ##
- spirituelle Lehren ##
- animistische Lehren ##
- magische Lehren ##
- Mystizismus # Unterscheidung nach dem Grad der Ablehnung theistischer Inhalte:
Eine gute Unterscheidung gilt hier allgemein die zwischen schwachem (negativem, implizitem) und starkem (positivem, explizitem) Atheismus. Die Unterscheidung liegt im Unterschied der logischen Form der beiden Sätze:
Ich bin nicht überzeugt, dass es Götter gibt (= schwacher Atheismus)
Ich bin überzeugt, dass es keine Götter gibt (= starker Atheismus) ## Der Schwache Atheismus:
Der schwache Atheismus kommt ohne den Glauben an Götter aus, behauptet jedoch nicht, dass es keine Götter gäbe, bestreitet also nicht oder leugnet nicht direkt die Existenz von Göttern. Dabei gibt es verschiedene Spielarten: ### Pragmatischer Atheismus: Dieser behauptet, dass eine Erklärung der Welt auch ohne Annahme von Göttern auskomme. Die Existenz von Göttern wird zwar nicht bestritten, aber als unnötig oder unnütz bezeichnet. Ein Pragmatiker (Alltagsbegriff) und Pragmatist (Philosophie) ist jemand, der die Wahrheit von Dingen nach ihrer praktischen Bewährung und ihrem Nutzen für die Praxis beurteilt. Gott oder Götter sind für viele Pragmatiker und Pragmatisten (wenn auch nicht für alle) unnütz, weil sie bei der Beurteilung und Erklärung der Welt aus ihrer Sicht keinen Nutzen bieten. ### Nominalistischer Atheismus: Begriffsnominalisten vertreten die Auffassung, dass nur Einzeldingen Wirklichkeit und damit Existenz zukomme, während Allgemeinbegriffe wie Gott nur Namen (=Nomen) seien. Unter Maßgabe der Einfachheit der Erkenntnisse (Simplizitätskriterium), sei die Annahme von Gott oder Göttern als eigenständig und unabhängig existierenden Wesen überflüssig (siehe auch Ockhams Rasiermesser). ### Agnostizismus: Dieser behauptet, dass Götter mit den Mitteln menschlicher Vernunft nicht erkennbar seien (intelligibler Agnostizismus) oder dass für die Annahme von Göttern nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten die Beweise/Belege fehlten (szientistischer Agnostizismus). Im intelligiblen Agnostizismus kann man wieder unterscheiden zwischen stark und schwach: Der schwache Agnostizismus behauptet nur, dass Götter möglicherweise nicht, oder noch nicht erkennbar seien, der starke hingegen, dass Götter mit den Mitteln der menschlichen Vernunft prinzipiell nicht erkennbar seien (siehe hierzu weiter unten Rationalistischer Atheismus). Die Zuordnung des Agnostizismus zum Atheismus ist umstritten, er kann auch als eigenständige weltanschauliche Grundhaltung angesehen werden. ### Szientistischer Atheismus (siehe Kapitel Analytische Philosophie) hält die Rede über Götter für Unsinn, weil Sätze, in den diese Begriffe vorkommen, nicht wahrheitsfähig seien. Der szientistische Atheismus behauptet jedoch nicht - genauso wenig wie der schwache Atheismus - dass es keine Götter gäbe. Für ihn ist der Satz "Es gibt keine Götter" genauso inhaltsleer wie "Es gibt keine Elfen". ### Postulatorischer Atheismus: Dieser meist von Wissenschaftlern selbst vertetene Atheismus geht davon aus, zunächst einmal Götter aus dem System der Erkenntnisse (ergo Wissenschaft) herauszulassen, also keine Götter zu postulieren im Gegensatz zur Theologie. Theistische Annahmen können jedoch später an Grenzbereichen der Wissenschaft oder in unerforschten oder als unerforschbar angesehenen Teilen wieder zugelassen werden (Beispiel: Stephen Hawking Pre-Big-Bang God). Diese Spielart des Atheismus wird oft in Verbindung mit der oben als Pragmatischer Atheismus bzw. Nominalistischer Atheismus bezeichneten Auffassung vertreten. ## Der Starke Atheismus:
Anhänger des Starken Atheismus sind davon überzeugt, dass es keine Götter gibt. Sie leugnen also direkt die Existenz von Göttern. Hierfür findet sich gelegentlich auch der Begriff Antitheismus. ### Rationalistischer Atheismus: Dieser geht von der zusätzlichen Annahme aus, dass nur das existieren könne, was auch durch menschliche Vernunft prinzipiell erkennbar ist (ontologischer Epistemologismus). Und weil Götter nicht prinzipiell erkennbar seien, könnten sie auch nicht existieren. ### Radikal-szientistischer Atheismus: Während für normal-szientistische Atheisten nur die Rede über Götter unsinnig ist, darf für deren radikale Vertreter nur das als existierend angenommen werden, was nach intersubjektiv überprüfbaren Verfahren wissenschaftlich beweisbar ist. Da dies für Götter und andere transzendentale Ideen nicht gelte, können sie nach dieser Überzeugung nicht existieren. ### Theodizee-Atheismus: Dieser behauptet, dass es aufgrund der Leidens und der Ungerechtigkeit auf der Welt keine(n) (allgütigen oder allmächtigen) Gott oder Götter geben könne. In seiner weniger radikalen Form kann der Theodizee-Atheismus auch als schwacher konditionaler Atheismus auftreten: "Wenn Gott existiert, dann kann er angesichts des Übels auf Erden nicht allmächtig oder nicht allgütig sein". Die Existenz Gottes wird dabei zwar nicht bestritten, jedoch in seinen Eigenschaften begrenzt. Es ist dann eine theologische Frage, ob ein solches Wesen noch als Gott bezeichnet werden kann. ### Logischer Atheismus: Besitzt Ähnlichkeit mit dem Rationalistischen Atheismus. Während der Rationalismus sagt, dass es irgendwelche spezifischen – bis in seine biologische Struktur reichenden – Eigenschaften des menschlichen Verstands seien, die die Erkenntnis von Göttern verhinderten, besagt der logische Atheismus zunächst nur, dass alle Gottesbeweise sich in Widersprüche (Antinomien) verwickelten. Unter der Prämisse, dass etwas Widersprüchliches nicht existieren könne, werden Götter als eigenständige Wesen abgelehnt. ## Weitere Spielarten dem Grade nach:
Daneben gibt es auch noch Spielarten des Atheismus, die den eigenständigen ontologischen Status von Gott oder Göttern einschränken oder bestreiten. Im anthropozentrischen Atheismus (Ludwig Andreas Feuerbach etwa) ist Gott kein echtes übernatürliches Wesen, sondern ein Produkt menschlicher Einbildungskraft. Bei Kant ist Gott nur eine regulative Idee der Vernunft. Und im Pantheismus eines Spinoza wird die Idee der personalen Einheit Gottes vollkommen aufgegeben und Gott nur noch als in der Schöpfung als Ganzes wirkende göttliche Substanz aufgefasst.

Geschichte des Atheismus im Okzident

Der Atheismus war in Antike und Mittelalter ein Phänomen, das sich auf eine kleine Minderheit zumeist Intellektueller beschränkte. In der Regel war sowohl das private, als auch das öffentliche Leben von religiösen Vorstellungen durchdrungen. Während sich die kritischen Auseinandersetzungen innerhalb der römisch-katholischen Kirche im späten Mittelalter verstärkten und in der Reformation einen vorläufigen Höhepunkt fanden, wurde der Atheismus in der Zeit der Aufklärung in Frankreich erstmals zur Staatsdoktrin erhoben, später wurden die meisten Staaten laizisiert. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden verschiedenste atheistische Positionen mit breitem theoretischen Fundament entwickelt (Marxismus, Existentialismus, analytische Philosophie). Heute ist der methodische Atheismus in den Wissenschaften - vor allem den Naturwissenschaften - quasi 'Standard'. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat sich der (praktische) Atheismus im Okzident zu einer Mehrheitsposition entwickelt.

Griechische und römische Antike

Im Okzident finden sich die frühesten Fragmente atheistischer Philosophie bei den griechischen Vorsokratikern. Die ideengeschichtliche Leistung der vorsokratischen Naturphilosophen besteht darin, dass sie sich nicht mehr mit einer Erklärung der Welt durch Mythen zufrieden gaben, sondern nach einem (stofflichen) Urgrund, einer Ursache (lateinisch: principium) für die Entstehung der Welt und ihrer beobachtbaren Phänomene (wie z.B. der Bewegung) fragten (vgl. causa prima). Dieses Hinterfragen wird zu Recht als Beginn der westlichen Philosophie gesehen. Kritias d.J. (
- 460; † 403 v. Chr.) sah die Religion als menschliche Erfindung, die der Aufrecherhaltung der moralischen Ordnung dienen sollte. Der gleichen Auffassung war Demokrit (
- 460; † 371 v. Chr.), einer der Begründer der Lehre der Atomistik. Diese erklärt die Welt auf rein materialistische Weise, das heißt ohne spirituelle, mystische oder religiöse Elemente, mit Hilfe kleinster, unzerstörbarer, ewig bestehender Atome und deren Bewegung. In den philosphischen Systemen des Hellenismus wird die Existenz von Göttern zwar oft nicht explizit geleugnet, sie spielen aber keinerlei Rolle für das menschliche Leben. Die atomistische Lehre Demokrits wurde insbesondere von Epikur wieder aufgenommen und weiterentwickelt (Epikureismus). Epikur sah die Vermeidung von Leid und das Erstreben von Freude als Ziel und Sinn des Lebens. Auch er suchte also das Heil auf Erden, im Diesseits. Den Tod, der nicht zu fürchten sei, sah er als Ende des Lebens. Götter existierten zwar, sie interessierten sich aber nicht für das menschliche Leben. Epikurs Lehre wurde später zum Hedonismus vergröbert und verfälscht. Dies und zahlreiche unzutreffende Unterstellungen seiner Gegner führten dazu, dass Epikur bis in die Neuzeit verpönt war. In christlicher Zeit galt er als der Antichrist schlechthin. Noch Dante Alighieri lässt Epikur in seiner "Göttlichen Komödie" (1307-1321) als "Erzketzer" in der tiefsten Hölle brennen. Heute ist die Forschung bemüht, das verfälschte Bild Epikurs vom historischen Epikur zu trennen.
Auch der Kynismus, deren berühmtester Vertreter Diogenes von Sinope (
- ca. 400; † 325 v. Chr.) war, kann als atheistische Philosophie verstanden werden. Die Kyniker lehnten alle gültigen staatlichen, moralischen und religiösen Vorschriften ab und strebten durch Bedürfnislosigkeit zur Rückkehr zu einem natürlichen, 'animalischen' Leben. In der römischen Antike wurden einige dieser griechischen Denktraditionen aufgenommen und teilweise weiterentwickelt, ohne dass radikal neue atheistische Konzepte entstanden wären. Die Zuordnung eines Denkers zum Atheismus ist aufgrund des oft dünnen Quellenmaterials häufig unsicher. Zudem trifft man häufig auf Denker, die zwar ein materialistisches Weltbild vertreten, gleichzeitig aber an die Existenz von Göttern glauben. Bis ins 2. Jahrhundert war der Epikureismus von großem Einfluss. Vertreter waren unter anderem Lukrez und Horaz. Auch dem von der Stoa beeinflussten Kaiser Mark Aurel, sowie dem Stoiker Seneca wird gelegentlich ein atheistische Haltung zugeschrieben.

Mittelalter

Im christlichen Mittelalter scheint es keinen theoretisch ausformulierten Atheismus gegeben zu haben. Allenfalls pantheistisch anmutende Weltanschauungen kleinerer Glaubensgemeinschaften wie die der Brüder und Schwestern des freien Geistes oder die Äußerungen einzelner 'Häretiker' werden bisweilen mit dem Atheismus in Verbindung gebracht. Zu beobachten ist jedoch seit dem 13. Jahrhundert eine zunehmende Kritik christlich-katholischer Glaubensinhalte. So wendeten sich beispielsweise Anhänger des Averroismus gegen die christliche Schöpfungs- und Seelenlehre.

Reformation

Die Reformation brachte zunächst keine Abkehr vom (christlichen) Glauben. Dennoch ist sie ein wichtiger Wendepunkt nicht nur in der Geschichte der Religion, sondern auch in der des Atheismus. Durch die Reformation konnten sich mit den protestantischen Konfessionen erstmals Kirchen neben der katholischen etablieren, die zu stark waren, um dauerhaft unterdrückt werden zu können. Auf Dauer waren beide Seiten zur religiösen Toleranz gezwungen. Diese Entwicklung hin zur Toleranz sollte später auch Atheisten zugute kommen. Durch die auf die Reformation folgende Religionskriege diskreditierten sich die sich bekriegenden Kirchen in den Augen vieler selbst. Deutlich trat der Widerspruch zwischen öffentlich gepredigter christlicher Nächstenliebe und tatsächlichem Handeln der damaligen Kirchen beispielsweise in der offenkundigen Barbarei der Hugenottenkriege zutage. Bedeutsam ist auch, dass die katholische Kirche ihr bis dahin beinahe unantastbares Deutungsmonopol für die Auslegung der Bibel und damit beträchtlich an Autorität auch auf geistigem Gebiet verlor. Politisch trug die Reformation entscheidend zur Emanzipation der Staaten aus der Bevormundung durch die Kirche bei, die sich nun vielfach ihrerseits im Landesherrentum und Absolutismus den Staaten unterordnen musste. Diese Umkehr der Machtverhältnisse war eine zwingende Voraussetzung, um letztlich die Trennung von Kirche und Staat zu ermöglichen. Die dadurch garantierte Glaubensfreiheit weitete sich, auch wenn der Weg dorthin keineswegs ohne Repressionen verlief, schließlich auch zur Respektierung des Rechts auf Glaubenslosigkeit aus.

Aufklärung

Das Zeitalter der Aufklärung brachte den ersten theoretisch ausformulierten Atheismus der Neuzeit mit sich.

Aufklärung in Frankreich

Berühmt geworden sind die "Pensées et sentiments" des französischen, katholischen Pfarrers Jean Meslier (1664-1729). Meslier hatte seine Gedanken in Form eines Testaments in nur drei Exemplaren hinterlassen. Er polemisiert darin gegen Kirche und Krone, die er als Ausbeuter und Unterdrücker der Armen sieht. Später wurde sein Werk vervielfältigt und im Geheimen unter anderen von Baron d'Holbach und Voltaire gelesen, welcher Mesliers Werk 1762 erneut veröffentlichte. Eine frühe öffentliche Leugnung der Existenz Gottes in der Neuzeit findet sich bei Baron d'Holbach (1723-1789) in seinem 1770 entstandenen Werk "Système de la nature". Baron d'Holbach sah in der Religion die größte Feindin der natürlichen Moral. 1782 verfasste der britische Physiker Matthew Turner (eventuell als Co-Autor) unter einem Pseudonym das atheistische Pamphlet „Answer to Dr Priestley's Letters to a Philosophical Unbeliever“ Auch Denis Diderot (1713–1784), einer der bekanntesten Philosophen der Aufklärung, vertrat in seinen kirchen- und religionskritischen Werken "Pensées philosophiques" (1746) und dem "Lettre sur les aveugles à l'usage de ceux qui voient" (1749) zunächst eine deistische, dann eine atheistische Position. Letzteres Werk brachte Diderot eine Haftstrafe ein. Diderot war Herausgeber der Encyclopédie, die einen wichtigen Beitrag zur Europäischen Aufklärung lieferte. Voltaire übte an den institutionellen Formen der Religion seiner Zeit pointierte Kritik, z.B. veröffentlichte er unter dem Pseudonym Corbera ein Pamphlet Epître aux Romains, das praktisch einen Aufruf zur Revolution gegen den Papst darstellt. Voltaire wandte sich aber nicht nur gegen die Kirche und den Klerus, in zahllosen Schriften und Briefen griff er die christliche Religion, teils mit scharfsinnigem Spott, teils mit feinsinniger Ironie an. Allerdings ließ er bei allem, was er schrieb nie einen Rest an Vorsicht außer acht (Die Zeit, in der Häretiker auf dem Scheiterhaufen landeten, war noch nicht lange vorbei). Sein Bekenntnis zum englischen Deismus und seine gelegentlichen Attacken gegen den Atheismus können auch hierin ihren Grund finden. In dem Artikel Athéisme schrieb er unter anderem: Der Atheismus ist der Fehler einiger Leute von Geist, der Aberglaube ist der Fehler der Dummköpfe; und Lumpen sind Lumpen. Wenn sich Voltaire auch häufig zum englischen Deismus bekannte, wirkte er auf seine Zeitgenossen durch seinen Stil und die Art, wie er seinen Deismus vortrug, durchaus wie ein Atheist. Fritz Mauthner bezeichnete Voltaire als "den Feldherrn und Staatsmann der französischen und europäischen Freidenker".

Immanuel Kant

Gemäß Immanuel Kant (Kritik der reinen Vernunft) gibt es keinen Beweis für oder gegen die Existenz eines höchsten Wesens, der auf reiner Anwendung der menschlichen Vernunft beruht. Wie Kant in der Dialektik, dem zweiten Hauptteil der Kritik der reinen Vernunft zu zeigen versucht, führen alle Gottesbeweise zu Antinomien (unauflösbaren Widersprüchen). Damit ist Kant vielleicht das prominenteste Beispiel eines Agnostikers im engen Sinne des Wortes: Kant bestreitet die Erkennbarkeit Gottes. Gott wie andere Ideen, die über die Erfahrung hinausgehen, nennt Kant transzendentale Ideen. Dagegen erkennt er den sog. regulativen Charakter dieser transzendentalen Ideen an: Ich behaupte demnach: die transzendentalen Idee sind niemals von konstitutivem Gebrauche, so, daß dadurch Begriffe gewisser Gegenstände gegeben würden, und in dem Falle, daß man sie so versteht, sind es bloß vernünftelnde (dialektische) Begriffe. Dagegen aber haben sie einen vortrefflichen und unentbehrlichnotwendigen regulativen Gebrauch, nämlich den Verstand zu einem gewissen Ziele zu richten, in Aussicht auf welches die Richtungslinien aller seiner Regeln in einem Punkt zusammenlaufen, der, ob er zwar nur eine Idee (focus imaginarius), di.i ein Punkt ist, aus welchem die Verstandesbegriffe wirklich nicht ausgehen, indem er ganz außerhalb deb Grenzen möglicher Erfahrung liegt, dennoch dazu dient, ihnen größte Einheit neben der größten Ausbreitung zu verschaffen. (Kant, KdrV, A 644) Vereinfacht gesagt bedeutet dies nach Kant: alle Grenzen möglicher menschlicher Erfahrung überschreitenden Dinge (Gott, Unsterblichkeit, Unendlichkeit) seien zwar nicht durch reine Vernunft erkennbar, heißt beweisbar, geben dem Verstand aber eine gewisse Einheit. Anders gesagt: sie bezeichnen genau die Grenzlinien zwischen spekulativem und reinen Vernunftgebrauch. Regulativ sind sie deswegen, weil sie ein Ziel abstecken, an dem der Verstand sich orientieren kann. Beschäftigt sich Kant in der Kritik der reinen Vernunft mit der theoretischen Seite der Vernunft ("Was kann ich wissen?"), so behandelt die Kritik der praktischen Vernunft deren praktische Seite ("Was soll ich tun?"). Gott wird hier als eine Art Postulat eingeführt: Die Imperative (kategorischer, hypothetischer) setzen das Faktum eines moralischen Gesetzes voraus. Das moralische Gesetz verpflichtet jeden Menschen zur Sittlichkeit (und letzten Endes zur Befolgung des Kategorischen Imperativs). Das Problem für Kant besteht nun darin zu zeigen, ob und wie die Befolgung des moralischen Gesetzes auch zu einem für alle Menschen befriedigenden Gesamtzustand führt. Diesen Zustand nennt Kant Glückseligkeit. Glückseligkeit ist sozusagen das resultative, soziale und äußerliche Pendant zur individuellen Sittlichkeit, das, was die innere Sittlichkeit auch zu einem für alle Menschen wünschbaren Ziel macht. Die Frage ist nämlich: Wenn ich sittlich handeln soll, ist dann auch sicher gestellt, dass ich glücklich werde? Die Instanz nun, die genau sicher stellt, dass sittliches Verhalten auch zu Glückseligkeit führt, ist Gott. Jetzt wird auch klar, warum Gott im System der Vernunfterkenntnisse für Kant eine regulative Idee ist. Gott sei zwar nicht erkennbar (intelligibel), jedoch wird er als Postulat (nicht weiter begründbare Voraussetzung) benötigt, um gewisse moralische Gesetze zu rechtfertigen. In der Nachfolge blieb Kants theistischer Skeptizismus oder partieller Agnostizismus weitgehend unbeachtet. Der Deutsche Idealismus (Fichte, Schelling, Hölderlin, Hegel) redete zwar von Gott als dem absoluten Weltgeist oder einem absoluten Ich, kümmerte sich hingegen wenig um die Antinomien der Vernunft. Aus heutiger Sicht wird Kants Postulierung eines Gotts als 'missing link' zwischen Sittlichkeit und Glückseligkeit eher als Mangel seiner Theorie gesehen. Kants individualistische Theorie fehlt schlicht der gesellschaftliche Horizont von Sittlichkeit. In seiner Rechtsphilosophie kommt Hegel hingegen ohne ein solches ad-hoc-Postulat zur Begründung der Sittlichkeit aus. Statt dessen steht der absolute Weltgeist (=Gott) für Hegel theoretisch wie historisch am Anfang seines dialektischen Systems. Dabei macht Hegel sozusagen aus der antinomischen Misere der Dialektik eine neue Tugend, indem das dialektische Prinzip der Selbstwidersprüchlichkeit zu einer eigenen Methode ausbaut.

19. und 20. Jahrhundert

Materialistischer Atheismus (Marx, Engels, Feuerbach)

Marx gilt wohl nach wie vor als einer der prominentesten Vertreter des Atheismus, wird doch Marxismus noch heute mit dem Konzept einer radikalen Religionskritik verbunden. Im strengen Sinne der weiter oben gemachten Definition des Begriffes von Atheismus (im Sinne eines Götterverleugnenden oder Nicht-an-Götter-Glaubenden) ist Marx kein Atheist, da sich für ihn das ganze Problem erst im Rahmen der Klärung der gesellschaftlichen Funktion von Religion stellt. Anders gesagt: für Marx ist die Frage, ob es Gott gibt oder nicht, erst einmal keine epistemische (Frage des Wissens oder Wissen-Könnens) und auch keine ontologische (Frage der Existenz), sondern - modern gesprochen - eine soziologische oder gesellschaftliche Frage. Dazu das Zitat (Zweite These über Feuerbach): Die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit zukomme, ist keine Frage der Theorie, sondern eine praktische Frage. In der Praxis muß der Mensch die Wahrheit, das heißt die Wirklichkeit und Macht, die Diesseitigkeit seines Denkens beweisen. Der Streit über die Wirklichkeit oder Nichtwirklichkeit eines Denkens, das sich von der Praxis isoliert, ist eine rein scholastische Frage. Wegweisender Überblick: Marx' Religionskritik findet sich vor allem in zwei einschlägigen Werken/Texten. Sie sind gleichzeitig Grundlage dieser Darstellung:
- [http://gutenberg.spiegel.de/marx/heglrech/me01_000.htm Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie] (1843/44)
- [http://gutenberg.spiegel.de/marx/feuerbac/me03_005.htm Thesen über Feuerbach] von 1845 (1888 von Engels in redigierter Fassung veröffentlicht) Weitere Stellen bei Marx (und Engels) sind zu finden in:
- Kapital an verschiedenen Stellen, jedoch nie systematisch behandelt (gut hier die Stelle über den Warenfetischismus)
- Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft (zit. mit "Anti-Dühring") von Friedrich Engels aus dem Jahr 1878 Bezugspunkte für Marxens Religionskritik sind vor allem die Theorien von:
- Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) und sein Werk Grundlinien der Philosophie des Rechts von 1821
- Ludwig Feuerbach (1804-1872) und sein Hauptwerk Das Wesen des Christentums von 1841 Feuerbachs religionskritische Grundlagen: Materialistischer Anthropozentrismus Grundlage der marxschen Religionskritik ist Feuerbachs Das Wesen des Christentums, in dem dieser zwei wesentlich neuartige, und zumindest gegenüber Hegel an Klarheit überlegenere Thesen aufstellt: # Religion ist nicht (nur) eine historische oder transzendente Tatsache, sondern (vor allem) eine Leistung des menschlichen Bewusstseins (Einbildungskraft, Phantasie) # alle Religionen unterscheiden sich nur ihrer Form nach, haben aber Eines gemeinsam: sie spiegeln die unerfüllten Bedürfnisse der menschlichen Natur wieder. Gott und alle religiösen Inhalte sind nichts anders als psychologische Projektionen, die ihre materiellen Ursachen in der Natur des Menschen besitzen. Feuerbachs Ausgangspunkt zur Herleitung seiner Thesen ist die Natur des Menschen. Wesentlich für Feurbach ist, dass Menschen Bedürfnisse und Wünsche besitzen und diese in bestimmter Hinsicht unerfüllt bleiben, weil der Mensch - so würden wir heute sagen - ein Mängelwesen ist. Das ist sein anthropologischer Kern, den Marx weitgehend übernehmen wird. Von Hegel übernimmt Feuerbach die idealistische Auffassung, dass es das Bewusstsein und seine Leistungen sind, die seine Praxis bestimmen. Im Zentrum steht für Feuerbach dabei die menschliche Einbildungkraft. Es seien nun die unerfüllbaren und andauernd unerfüllten Bedürfnisse, die der Mensch mit Hilfe seiner Einbildungskraft in ein religiöses Reich projiziert. Die religiösen Gehalte verweisen nach Feuerbach auf die unerfüllten Bedürfnisse des Menschen und damit auf die als unvollkommen erlebte Natur des Menschen. In seinem Hauptwerk versucht er dies mit den Begriffen Liebe, Endlichkeit, Sterblichkeit, Ungerechtigkeit: Die religiöse Vorstellung Unsterblichkeit der Seele sei ein Reflex auf die unvollkomene Natur des Menschen als sterbliches Wesen, die Allgüte Gottes ist ein Reflex auf die Unmöglichkeit alle Menschen gleichermaßen zu lieben usw. Feuerbachs Theorie der Religionskritik wurde später und wird heute in Verbindung mit dem Begriff feuerbachscher religiöser Anthropomorphismus bzw. Anthropozentrismus oder unter dem Schlagwort Projektionstheorie diskutiert. Schlagwortartig mag man sie unter folgenden Mottos zusammenfassen:
Nicht Gott hat die Menschen, sondern die Menschen haben Gott geschaffen.
oder
"Homo Homini Deus!" (der Mensch ist des Menschen Gott)
Der Begriff von Religion hat also - nach Feuerbach - vom Menschen auszugehen, sie aus ihm herzuleiten und sie wieder auf ihn zu beziehen: der Mensch ist der Anfang der Religion, der Mensch der Mittelpunkt der Religion, der Mensch das Ende der Religion (Das Wesen des Christentums, Teil I) Marx' Kritik an Feuerbach als Radikalisierung seiner Religionskritik Kurzdarstellung:
Marx übernimmt die Projektionstheorie Feuerbachs. Auch für ihn ist die Welt der Religion keine ontologische Kategorie, sondern gehört in den Bereich menschlicher Tätigkeiten. Auch für ihn refelektiert Religion ein Bedürfnis und auch für ihn ist Religion die Widerspiegelung einer Wirklichkeit und nichts Transzendentes.
1.) Marx kritisiert erstens jedoch einen wesentlichen Mangel an Feuerbachs Religionskritik: Feuerbach tue so, als ob jeder Mensch als Individuum oder als abstraktes Wesen seine Religion produziere, wohingegen der Mensch - so Marx - vor allem als konkret-praktisches und damit schon immer vergesellschaftetes (gesellschaftliches) Wesen zu begreifen sei.
Feuerbach löst das religiöse Wesen in das menschliche Wesen auf. Aber das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen Individuum innewohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse. (Thesen über Feuerbach, These 6)
Und genau deswegen spiegele Religion auch nicht irgendwelche abstrakten, indidviduellen Bedürfnisse, sondern konkrete gesellschaftliche Bedürfnisse der Menschen wider.
2.) Neben dieser Theorie der vergesellschafteten Religiösität kritisiert Marx zweitens an Feuerbach, dass es mit der neuen anthropozentrischen Interpretation von Religion noch nicht getan sei:
Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern. (These 11)
Diese - immer wieder zitierte und leider meist falsch verstandene - These soll besagen, dass unter dem Blickwinkel der Praxis - und dies ist nach Marx die "gegenständliche Tätigkeit" (= Arbeit als verändernde Aneignung von Natur) - Feuerbachs Theorie die Welt nur noch einmal in eine religiöse Welt verdoppelt und damit Religion zwar erklärt, jedoch sich nicht fragt, was dies praktisch für die gläubigen Menschen und die gesellschaftlichen Verhältnisse bedeutet. Und genau hier besitzt Religion ihre praktische Aufgabe: Sie verhindert verändernde Praxis, weil sie die Menschen mit einem vom Erdenreich abgelösten und unabhängigen, vollkommenem Himmelreich tröstet und umnebelt. Darauf bezieht auch Marxens Schlachtruf, wonach Religion "Opium des Volkes" sei (in: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie). Folgende Absätze werden noch überarbeitet: Ausgangspunkt ist hier die Theorie der Selbstentfremdung. Entfremdung bezeichnet man allgemein all das, worüber der Mensch, obwohl durch ihn bewirkt und in unmittelbarar Anschauung vertraut, keinen Einfluss, keine Verfügungsgewalt mehr besitzt, so dass es ihm als etwas Unabhängiges, Fremdes gegenübertritt. Ein von seiner Arbeit entfremdeter Lohnarbeiter besitzt - nach Marx - keinen Einfluss mehr auf das Endprodukt und Arbeitsprozess, obwohl er andauernd darin arbeitet. Deswegen tritt ihm der Arbeitsprozess wie das Arbeitsprodukt als etwas Fremdes gegenüber (siehe Marx: Frühschriften). In der religiösen Selbstentfremdung nun erlebt der Mensch seine Bedürnisse einmal als erfüllbare und erfüllte Dinge, zum anderen bzw. andrerseits auch als prinzipiell oder manchmal unerfüllbar/unerfüllt. Die Religion wird für den Menschen nach und nach etwas Selbstständiges, Unabhängiges und ihm Fremdes. Und genau dies ist mit der religiösen Selbstentfremdung gemeint: in der Religion verselbstständigen sich die unerfüllten Bedürfnisse, indem letztere ein Eigenleben führen. Marxens Ideologiekritik. Denn in der Religion spiegelten nicht nur unerfüllte abstrakte Bedürfnisse, sondern das konkrete sich durch die gesamte menschliche Geschichte ziehende gesellschaftliche Elend und Unrecht wieder. Dies tun sie jedoch - nach Marx - in einer falschen Weise: Diese falsche Weise besteht zum einen in der Verkehrung/Verdrehung wirklicher Verhältnisse (Gott der Allgerechte, Allmächtige und Allgütige in einer Welt ungleicher Verteilung von Macht, Gütern und Liebe) und zum anderen in einer völlig abstrakten Art, die dazu führe, dass die Menschen sich in eine "Nebelregion" flüchteten

Friedrich Nietzsche

Friedrich Nietzsche (1844-1900) wird oft als der Atheist schlechthin gesehen, was insbesondere an markanten Zitaten wie "Gott ist tot" liegt. Auch bezeichnete Nietzsche Gott als "eine viel zu extreme Hypothese" (Fragment „Der europäische Nihilismus“ (KSA 12, 5[71]). Die christliche Gottesvorstellung hielt er für widerlegt und überholt. Insgesamt hat Nietzsche die Kritik an der (christlichen) Moral seiner Zeit priorisiert, er sah die "christliche Sklavenmoral" als hinderlich für die Erhebung des Menschen zu neuer Größe an.

Sigmund Freud

Sowohl Sigmund Freud (1856-1939), als auch andere Psychoanalytiker, versuchten in einer naturgeschichtlichen Deutung die Entstehung von Religionen (und vieler andere Erscheinungen) als die Erfüllung unbewusster, auch unterdrückter Wünsche des Menschen zu erklären. Als Beleg dienten Freud die Ähnlichkeiten zwischen kultisch - religiösen Handlungen und den Handlungsabläufen neurotischer Besessenheit. In seinem Buch kommt er zu der Schlussfolgerung: Illusionen, Erfüllungen der ältesten und stärksten , dringendsten Wünsche der Menschheit seien eben die Religionsvorstellungen. Die Herleitungen, in denen sowohl die Darwinsche Urhorde als auch der Ödipuskomplex herangezogen werden, gelten als spekulativ. In einer verallgemeinerten Form, nämlich dass Religionen sehr wohl vorgeben, starke, bewusste wie auch unbewusste Wünsche und Sehnsüchte der Menschen zu erfüllen, gilt Freuds These als unbestritten. Wenn Freuds Schlussfolgerungen auch nicht direkt den Theismus widerlegen, bieten sie doch einigen die Ansatzpunkte, religiöse Phänomene durch psychische Vorgänge zu erklären und die Notwendigkeit der Annahme übernatürlicher Krafte zu verneinen.

Existenzialistischer Atheismus

Einen existenzialistischen Atheismus im eigentlichen Sinne gibt es nicht, da der Existenzialismus kein geschlossenes Lehrgebäude darstellt und unter diesem Begriff sehr disparate weltanschauliche, philosophische, ja auch theologische Konzepte versammelt werden. Sie reichen von Stirner, über Schopenhauer, Kierkegaard, Heidegger, Camus bis Sartre und Jaspers. Nimmt man als Referenzpunkt den französischen Existenzialismus, so ergibt sich folgende atheistische Auffassung. Der wichtigste existenzialistische Grundsatz Sartres findet sich in seinem bekannten Satz wieder, wonach die (menschliche) Existenz der Essenz (dem Wesen) vorausgehe. Es gibt kein Wesen (hier sowohl personal als Gott verstanden als auch abstrakt als Natur des Menschen), wonach und wodurch der Mensch konzipiert wurde. Da der Mensch zu Beginn "Nichts" ist und sich ständig selbst entwirft, bedeute Gott als jemand, der so etwas wie eine menschliche Natur konzipiert hat, eine Beschränkung dieses konstitutiven Selbstentwurfs. Statt dessen ist nach Auffassung der Existenzialisten der Mensch von Beginn an zur absoluten Freiheit verdammt. Für die Neoexistenzialisten der Sartre-Schule ist Gott zunächst also das, was die absolute Freiheit des Menschen beschränkt. "Wenn Gott nicht existierte, wäre alles erlaubt", schreibt Dostojewski und ganz existenzialistisch könnte man hinzusetzen: "Und weil er nicht existiert, ist der Mensch zur Verantwortung verdammt". Wie ist das zu verstehen? Wenn Gott existierte, gibt es etwas, was der menschlichen Existenz vorausgeht, auf die er sich als Grund seines Handelns berufen kann. Fällt dieser Grund weg, ist der Mensch absolut verlassen und muss die Gründe seines Handelns vollständig aus sich selbst schöpfen. Erst jetzt, wo prinzipiell alles erlaubt ist, ist er als Individuum voll verantwortlich für sein Handeln. Für Neoexsitenzialisten ermöglicht erst eine Welt, genauer Existenz, ohne Gott die wahre Verantwortung des Menschen. Die neoexistenzialistische Auffassung (Sartre, Camus) übernimmt Heideggers Daseinsbegriff (Sein und Zeit) für die Existenz. Demnach seien drei Dinge für die menschliche Existenz chrakateristisch: die Geworfenheit, der Entwurf und die Verfallenheit. Wesentlich für die atheistische Grundhaltung der Neoexistenzialisten ist die Geworfenheit: der Mensch ist kein Abbild einer Idee oder eines Vorbilds oder Bauplans, sondern er wird als tabula rasa auf die Welt geworfen. Im Atheismuskonzept des Neoexistenzialismus geht es nicht allein um die Zurückweisung eines personalen Gottes, dem die Menschen sich zu verantworten haben, sondern auch aller Konzepte, die als Theorien Natur des Menschen auftreten. Sei es die Gesellschaft (der Mensch als soziales Wesen), sei die Ökonomie (der homo oekonomicus) oder sei es die anthropolgischen Konzepte (der Mensch als des Menschen Wolf, als Egoist), alle werden sie vom Existenzialismus zurückgewiesen mit dem Verweis, sie betrieben nur die Ent-Verantwortung des Menschen, weil der Mensch damit auf ihm äußere, sachliche Zwänge hinweisen würde. Damit kann der Existenzialistische Atheismus auch als Versuch verstanden werden, gegen die angeblichen Sachzwänge moderner Gesellschaften aufzubegehren (was die Neoexistenzialisten, vor allem Sartre, im Verlauf der Studentenrevolten 1968 in Frankreich auch tat).

Analytische Philosophie

In der im 20. Jahrhundert entwickelten Analytischen Philosophie wurden Fragen nach der Existenz oder Nichtexistenz von Göttern sowie metaphysische Fragen anfänglich als unsinnig, nicht behandelbar oder gar als irrelevant angesehen. Die zeitgenössische Analytische Philosophie beschäftigt sich indessen wieder ausführlich mit metaphysischen und, speziell, religionsphilosophischen Themen. Die Vertreter des positiven Atheismus glauben, im Gegensatz zu den Befürwortern des nur negativen Atheismus, nicht nur nicht, dass ein oder mehrere Götter existieren, sondern überdies, dass kein Gott existiert, welche rationale Überzeugung sich auf eine Reihe atheologischer Argumente stützt, die jeweils in die Schlussfolgerung der Nichtexistenz von Göttern münden. Anders gesagt reicht es für die Vertreter des negativen Atheismus aus, wenn keine Beweise für die Existenz eines Gottes existieren, oder propagierte Beweise widerlegt werden können, während die positiven Atheisten mit Hilfe der formalen Logik aktiv die Möglichkeit der Existenz Gottes auszuschließen versuchen. Wenn sich beispielsweise zeigen lässt, dass die dem Gott der drei monotheistischen Weltreligionen zugeschriebenen Eigenschaften semantisch widersinnig oder logisch widersprüchlich sind, dann kann es jenen Gott nicht geben, da logisch Unmögliches nicht wirklich sein kann. Der entscheidende Punkt ist nämlich, dass man zwar in modallogisch gültiger Weise von bloßer logischer Unmöglichkeit auf Unwirklichkeit schließen kann (z.B.: Wenn es unmöglich ist, dass es regnet, dann regnet es auch nicht.), aber nicht von bloßer logischer Möglichkeit auf Wirklichkeit (z.B.: Wenn es möglich ist, dass es regnet, dann heißt dies nicht unbedingt, dass es regnet.). Die oft zu lesende Behauptung, man könne die Existenz von Göttern prinzipiell nicht rational behandeln, wird in der heutigen analytischen Philosophie nicht mehr uneingeschränkt vertreten. Demnach wäre der Versuch, die Möglichkeit der Existenz von Göttern rein apriorischen auszuschließen, nur dann definitv zum Scheitern verurteilt, wenn es gelänge, eine konsistente und kongruente Charakterisierung des göttlichen Wesens darzulegen. Es wurde auch der Versuch unternommen, die Existenz eines Gottes zu widerlegen, indem zwischen empirischen Aussagen über die Welt und den dem jeweiligen Gott zugeschriebenen Eigenschaften Widersprüche aufgezeigt werden. So griff beispielsweise J. L. Mackie das Theodizee-Problem im Rahmen der Analytische Philosoph auf und schlussfolgerte, dass die Existenz eine Gottes zwar nicht ganz auszuschliessen, aber doch sehr unwahrscheinlich sei. Beim Theodizee-Problem geht es um den (scheinbaren) Widerspruch zwischen dem "Übel in der Welt" und dem Wesen Gottes, speziell der Allmacht, Allwissenheit und Allgüte sei. Das Problem wurde bereits vor mehr als 2000 Jahren erkannt und formuliert, es gilt als starkes atheistisches Argument. Die durch den Theismus vorgebrachten Lösungen verweisen insbesondere auf die Notwendigkeit der Unterscheidung von Übel und Bösem sowie die entscheidende Bedeutung der geschöpflichen Freiheit, deren Auswirkungen auch über Genarationen hinweg gehen können. Außerdem verweist der Theismus darauf, dass das irdische Leben zwar ein sehr hohes, aber eben nicht das höchste Gut des Menschen ist.

Atheismus in verschiedenen Erscheinungsformen

Heute stellt sich im westlichen Kulturkreis der Atheismus in einer Vielzahl von Ausrichtungen dar: Beispielsweise sind die Freidenkerbewegung, der Humanismus und der Existenzialismus eng mit dem Atheismus verbunden. Sozialismus , Kommunismus und Anarchismus sind zum großen Teil atheistisch geprägte Weltanschauungen. Philosphische Erscheinungsformen des Atheismus sind Materialismus und philosophischer Naturalismus. Auch der Nichtglaube infolge von Naivität kann dem schwachen Atheismus zugerechnet werden. "Naiv" bezeichnet hierbei Menschen, die noch nie etwas von Gott oder Göttern gehört haben.

Atheismus und Politik

Da die Trennung von Kirche und Staat sowie der Laizismus erst relativ neue Phänomene sind, kamen Atheisten in der Geschichte immer wieder auch mit den politischen Autoritäten in Konflikt. Auf Atheismus stand in vielen Staaten gar die Todesstrafe. So galt in der Antike die Leugnung der jeweiligen Staatsgötter und die oftmals damit einhergehende Weigerung, ihnen zu opfern als direkt gegen den Staat gerichteter Akt und wurde dementsprechend geahndet. Selbst heutige Strafgesetzbücher enthalten den Gotteslästerungsparagraphen. Um sich vor Anfeindungen zu schützen, gaben Atheisten daher nicht selten vor, Deisten bzw. Pantheisten zu sein. Auf der anderen Seite konnte der Atheismus seit dem 20. Jahrhundert, zumindest in seiner marxistischen Ausprägung, aber auch selbst zur Staatsdoktrin werden. In Albanien wurde 1967 ein totales Religionsverbot ausgerufen und das Land bezeichnete sich als ersten "atheistischen Staat". Auch im sogenannten Ostblock wurde der Atheismus befördert, während Religiösität zumeist zumindest argwöhnisch betrachtet wurde, oft auch mit Nachteilen verbunden war. Eine staatliche atheistische Politik ist hierbei vom Laizismus zu unterscheiden, welcher der Religion neutral, nicht aber feindlich gegenüber steht.

Atheismus und Religion

Atheistische Züge in östlichen 'Religionen'

Die frühesten Formen des Atheismus finden sich in einigen Religionen Indiens und Chinas. Diese können jedoch teilweise aufgrund ihrer stark philosophisch geprägten Grundlagen auch als philosophische Systeme gesehen werden. Die Vorstellung eines Gottes macht in diesen Systemen nicht den Kern der religiösen Überlieferung aus, dennoch sind Vorstellungen von Göttern in den genannten Systemen nicht unbekannt. Diesen atheistischen Formen von 'Religion' sind zwei der ältesten philosophischen Systeme indischen Denkens zuzurechnen, der Jainismus, sowie der Samkhya (beide entstanden ca. im 6. Jh. v. Chr.). Auch die ursprünglichen mündliche Lehre Buddhas, die vielleicht am getreuesten von der buddhistischen Schule des Hinayana übernommen wurde, trägt agnostische oder atheistische Züge. Sie kennt kein Jenseits und erklärt die Welt auf materialistische Weise ohne spirituelle oder mystische Elemente. Götter werden zwar erwähnt, jedoch sind sie weder für die Schöpfung der Welt, noch für eine mögliche Erlösung verantwortlich und zudem dem irdischen Kreislauf unterworfen. Diese Form des Buddhismus beschäftigt sich beinahe ausschließlich mit dem Weg zur Erlösung aus dem Kreislauf aus Leben und Tod (Samsara). Sie kann daher mit dem französischen Autor Louis de la Vallée-Poussin eher als philosophische Disziplin denn als Religion bezeichnet werden. Andere Schulen des Buddhismus, wie der heute weit verbreitete Mahayana-Buddhismus, ergänzten den ursprünglichen Buddhismus später mit zahlreichen religiösen Vorstellungen, so dass die atheistische Ausrichtung, rein äußerlich betrachtet, abgeschwächt wurde, im Kern der Lehren aber erhalten geblieben ist. Der Daoismus, der im 4. Jh. v. Chr. in China entstand, negiert die Existenz einer Schöpfergottheit.

Pantheismus

Im pantheistischen (griechisch: Allgottlehre) Gotteskonzept nimmt die Alleinheit des Universums die Schöpferrolle ein. Gott und Natur sind demnach gewissermaßen identisch. Da es im Pantheismus keinen persönlichen Gott gibt, wurde und wird der Pantheismus, sowohl von Theisten als auch von Atheisten, manchmal als ein hinter einer religiösen Sprache versteckter Atheismus betrachtet. Der Pantheismus hingegen betrachet sich selbst als religionsphilosophische Lehre und rechnet sich nicht zum Atheismus.

Christlicher Atheismus

In den 1960ern bildete sich in den USA eine Gruppe von radikalen Theologen, welche unter dem Satz "Gott ist tot" einen christlichen Atheismus proklamierte. Vertreter dieser Richtung sind der Theologe Thomas J. Altizer (The Gospel of christian atheism, 1966)), William Hamilton (Radical Theology and the Death of God, 1966), Paul van Buren (The secular meaning of the Gospel,1963) oder Gabriel Vahanian (The death of God, 1961). Der "Tod Gottes", also die vermeintliche Unmöglichkeit, in der modernen Welt rational an einen Gott zu glauben, sei, so beispielsweise J. Altizer, eine gute Nachricht, da sie den Menschen von einem transzedenten Tyrannen befreit habe. Die säkulare Botschaft der Evangelien beziehe sich gemäß Paul van Buren allein auf den "Befreier" Jesus von Nazareth. Während der Glaube an einen (jenseitigen) Gott abgelehnt wird, steht bei den „christlichen Atheisten“ die ethisch-moralische Botschaft Jesu, die rein auf das Diesseits bezogen wird, im Mittelpunkt. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich auch eine Verknüpfung von Atheistismus und Christentums entwickelt, die sich explizit auf das Schweigen Gottes zur Vernichtung von Millionen von Juden durch deutsche Nationalsozialisten bezieht. Die deutsche Theologin Dorothee Sölle ist die bekannteste Vertreterin dieser Richtung.

Atheismus und Wissenschaft

In der wissenschaftlichen Erforschung der Welt stellte sich schon frühzeitig ein Dilemma heraus: Die Theorie, A folgt aus B und B folgt aus nichts, weil B von Gott gemacht wurde, brachte bezüglich B keinen Erkenntnisgewinn. Im Gegenteil, man mußte sich neben den Gedanken zu B nun auch noch Gedanken zu Gott machen. Man hatte also de facto eine zusätzliche Unbekannte in der Rechnung. Die Alternativen, den Forschungsprozess abzubrechen und auf weitere Erkenntnisse bezüglich B zu verzichten, oder die Existenz Gottes in Frage zu stellen, waren je nach historischem Hintergrund beide unangenehm. Die Lösung: Unabhängig von der Religiösität oder Areligiösität der beteiligten Wissenschaftler wird unterstellt, dass die "Gotteshypothese" kein zulässiges Explanans, d.h. kein legitimer Faktor bei der ursächlichen Erklärung naturwissenschaftlicher Phänomene sei. Diese forschungspraktische Grundhaltung wird als methodologischer oder pragmatischer Atheismus bezeichnet und ist etablierte wissenschaftliche Praxis.

Praktischer Atheismus

In den Industrieländern des Westens gehören heutzutage viele Menschen nominell und auch organisatorisch zu den Kirchen ("Namenschristen"), glauben aber weder an die zentralen Glaubensinhalte des Christentums (sofern überhaupt bekannt), noch richten sie ihr Leben danach aus. Sie sind also in ihrer Lebenspraxis Atheisten. In Abgrenzung zum theoretisch-philosophisch reflektierten Atheismus wird diese Lebensweise oft als praktischer Atheismus bezeichnet. Der praktische Atheismus beschränkt sich nicht auf westliche Länder. So bezeichnet sich beispielsweise China als atheistischer Staat. Es ist jedoch davon auszugehen, dass ein großer Teil, wenn nicht die Mehrheit der atheistischen Bevölkerung Chinas Religionen nicht aus theoretischen Erwägungen ablehnt, sondern dass Religion für sie aus historischen Gründen keine Rolle spielt. Die tatsächliche Zahl der praktischen Atheisten ist schwer abzuschätzen. Geht man aber davon aus, dass beispielsweise in Deutschland die Besuchsrate katholischer Gottesdienste bei ca. 15 % der Gläubigen liegt (Stand 2003), liegt es nahe, dass ein großer Teil der Getauften Deutschlands heute praktische Atheisten sind.

Atheismus und Moral

Den Anhängern des Atheismus wird, oft auch subliminal, unterstellt, dass mit dem Fehlen des Glaubens an Gott auch die Verneinung moralischer Werte einhergehe. Dem ist jedoch nicht notwendigerweise so. Davon abgesehen, dass es keine wissenschaftlichen Untersuchungen darüber gibt, die diese Hypothese bestätigen würden, können moralische Prinzipien durchaus objektiv geltende Vorschriften darstellen, die von der menschlichen Vernunft entdeckt oder aufgestellt werden und nicht von göttlichem Wollen abhängen, wie etwa Kant darzulegen suchte. Eine noch konsequentere Trennung von Moral und Theismus stellt die Auffassung dar, die John Leslie Mackie in seinem Buch Ethik ausführt, nämlich dass Moral an den Prozess der biologischen Evolution gekoppelt und ein Ergebnis des gesellschaftlichen Entwicklungsprozesses sei. Hieraus würde folgen, dass die menschliche Moral auch dann Bestand hätte, wenn Religionen in Verfall geraten.

Statistisches

Nimmt man die religiöse Selbsteinschätzung der Bürger in Umfragen als Maßstab, so liegt in den Ländern der Europäischen Union der Anteil "überzeugter Atheisten" bei ca. 5%. Besonders hoch ist die Rate überzeugter Atheisten in Frankreich (14,6%), und den neuen Bundesländern Deutschlands (21,7%). In den USA liegt die Zahl überzeugter Atheisten bei 1,2% (Stand hier: 1990) (Quelle: [http://www.europeanvalues.nl European Values Study von 1999/2000])

Kritik am Atheismus

Eine grundsätzliche Kritik am Atheismus übt (auch heute noch) die Philosophische bzw. Natürliche Theologie. Diese argumentiert, dass aus dem Bedingten (Zufälligen, Nicht-Notwendigen, Kontingenten) mit wissenschaftlicher Gewissheit auf die Existenz des Unbedingten bzw. Absoluten, d.h. die Existenz Gottes geschlossen werden kann.

Literatur

Nachschlagewerke


- Gordon Stein (Ed.): The encyclopaedia of unbelief. (Vols. 1-2). Prometheus, New York 1985, ISBN 0-87975-307-2. DAS Nachschlagewerk zum Thema

Literatur zu Atheismus und Religionskritik


- Franz Buggle: Denn sie wissen nicht, was sie glauben (Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann). 2. Auflage. Alibri.: Aschaffenburg 2004. (Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Gott der Bibel.)
- Karlheinz Deschner: Abermals krähte der Hahn; Eine kritische Kirchengeschichte . 4.Auflage. btb im Goldmann Verlag, o.O. 1996, ISBN 3-442-72025-7.
- Heinz Fastenrath: Abiturwissen: Religionskritik. Klett Verlag, Stuttgart 1993. (Ein Abriss atheistischer Grundpositionen. Feuerbach, Marx, Nietzsche, Sartre.)
- Ludwig Feuerbach: Das Wesen der Religion. Hegner-Bücherei: o.O. 1965
  - http://www.fh-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/19Jh/Feuerbach/feu_ch01.html
- Sigmund Freud: Massenpsychologie und Ich-Analyse: Die Zukunft einer Illusion. Fischer (Tb.): Frankfurt 1993. (Religion als Zwangsneurose?)
  - [http://www.madeasy.de/1/illusio1.htm Orginaltext „Die Zukunft einer Illusion“]
- Sigmund Freud: Totem und Tabu. Fischer (Tb.): Frankfurt 1991. ISBN 3-596-10451-3. (Erklärungsversuch des Ursprungs von Reli

Ardennen

Die Ardennen (auch: Ardenner Wald, von keltisch Arduenna für Hochland) sind eine Teillandschaft des Rheinischen Schiefergebirges. Vorwiegend im Südosten Belgiens, aber auch auf luxemburgischem und französischem Gebiet gelegen (Departement Ardennes), handelt es sich um ein ausgedehntes Waldgebirge, welches zwischen Mosel und Maas ein raues Bergland bildet und sich jenseits der Maas an den Ufern der Sambre allmählich zum flandrischen Tiefland verflacht. Im Osten der Ardennen schließen sich nahtlos das Hohe Venn und - eher politisch als landschaftlich getrennt - die Eifel an (vergleiche auch Islek). Islek

Landschaft

Die Ardennen haben eine mittlere Höhe von 550 m, während ihre höchsten Berge 650 m kaum übersteigen. Das Gebirgsplateau wird von Flusstälern durchzogen, die oft tief und schluchtartig mit steilen Abstürzen von 200 m Höhe eingeschnitten sind:
- Maas auf der Linie von Charleville-Mézières bis Namur mit den Nebenflüssen
- Chiers,
- Semois,
- Lesse und
- Ourthe sowie auf die Mosel ausgerichtet
- Orne,
- Sûre (Sauer) und
- Our Die bedeutenden Flusstäler sind als Hauptspalten zu betrachten, von welchen eine Unzahl Nebenrinnen auslaufen, die sich durch das Hochland hinziehen und das ganze Gebirge durchfurchen. Das Hochland ist im allgemeinen öde. Der größere Teil der Plateaus bietet nur Heide, entweder weite sumpfige und der Kultur unzugängliche Strecken oder schlechte Weideplätze, welche nur nach einem Zwischenraum von 15 - 20 Jahren und durch ein besonderes Verfahren zum Anbau zu benutzen sind. In den Tälern hingegen findet man herrliche Wiesen und fruchtbares Land. Den Hauptreichtum des Gebirges bilden die Waldungen, die zumeist aus Eichen und Buchen mit untermischten Erlen, Birken, Eschen etc. bestehen. und die reich vorhandenen Montanschätze, als Eisen, Blei (bei Longwilly), Antimon (bei Gösdorf), Kupfer (bei Stolzenburg), Mangan (bei Bihain), plastischer Ton, namentlich aber die unerschöpflichen Steinkohlenlager (am Nordrand von Lüttich bis Valenciennes sich erstreckend), welche Belgiens Metallverarbeitung und großartige Industrie begründen. Die Ardennen liegen in der Wallonie und erstrecken sich auch über die Ostkantone, dem deutschsprachingen Teil Belgiens.

Geschichte

Die Ardennen waren als Arduenna Silva schon den Römern bekannt; Cäsar und Strabon lassen dieselben vom Rhein bis zur Schelde reichen. Sie waren der Jagd- und Waldgöttin Diana heilig, welche davon den Beinamen Arduenna erhielt, und mancherlei Denkmäler des Dianendienstes in diesen Gegenden finden sich noch in Altären, Statuen, Inschriften. Der bekannteste und denkwürdigste Ort der Ardennen ist aber die heute französische Festung Sedan.

Siehe auch


- Ardennenoffensive Kategorie:Mittelgebirge Kategorie:Geographie (Frankreich) Kategorie:Geographie (Belgien)

Friedrich II. (Preußen)

Friedrich II., auch Friedrich der Große oder der Alte Fritz genannt, (
- 24. Januar 1712 in Berlin; † 17. August 1786 in Potsdam) war seit 1740 König in Preußen und seit 1772 König von Preußen. Er war das zweite Kind König Friedrich Wilhelms I. in Preußen und dessen Gattin Sophie Dorothea von Hannover.

Leben

Jugend

Sophie Dorothea von Hannover Friedrich wurde von seinem Vater Friedrich Wilhelm I., dem Soldatenkönig, autoritär, hart und militärisch erzogen. 1730 unternahm er gemeinsam mit seinem Jugendfreund Hans Hermann von Katte einen Fluchtversuch nach England, der vereitelt wurde. Beide wurden in der Festung Küstrin inhaftiert, wo Katte – ob vor den Augen Friedrichs II. oder nur in Hörweite, ist umstritten – hingerichtet wurde. Enge Freundschaften verbanden Friedrich ebenfalls mit Peter Karl Christoph von Keith und Hans Karl von Winterfeldt. Auf Druck seines Vaters, der wiederum von Mitgliedern des Hofes (Friedrich Wilhelm von Grumbkow, Jacob Paul von Gundling u.a.), die in österreichischem Sold standen, beeinflusst worden war, heiratete er Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern, eine entfernte Verwandte des Hauses Habsburg. Die Ehe blieb allerdings kinderlos. Friedrich lebte meistens von ihr getrennt und zeigte sich mit seiner Gemahlin lediglich zu Galafesten. Seine Frau nicht zu verstoßen, hatte er seinem Vater noch kurz vor dessen Tod versprechen müssen. Lediglich die Rheinsberger Jahre der beiden (1736–1740) könnten glückliche Ehejahre gewesen sein, allerdings ist nicht sicher, ob sein Verhalten authentisch war oder eine für den misstrauischen Vater bestimmte „Theateraufführung“. Ob Friedrich nach heutiger Definition homosexuell war (so Hergemöller), ist umstritten. Unstrittig ist, dass er ein sehr distanziertes Verhältnis zu Frauen hatte. Er erwartete von Frauen den gleichen schöngeistigen Esprit, für den seine Tafelrunden gerühmt wurden. Die Obduktion nach seinem Tode ergab keine Hinweise auf Geschlechtskrankheiten oder Deformationen, die eine andere Erklärung für dieses Verhalten liefern würden, jedoch die Auskünfte seines Leibarztes Johann Georg Zimmermann, demzufolge Friedrich sich kurz vor seiner Hochzeit eine Geschlechtskrankheit zugezogen hat. Einige der wenigen Frauen, denen er Respekt zollte, waren die so genannte „große Landgräfin“ Karoline und Katharina die Große, der er mehrere Gedichte widmete und mit der er in einem regen Briefverkehr stand.

König

Katharina die Große Unmittelbar nach Amtsantritt im Jahr 1740 begann er den 1. Schlesischen Krieg, in dem er für das stark zergliederte und an Naturgütern arme Preußen eine wirtschaftlich starke Region gewinnen und zudem eine Grenze schaffen wollte, die leicht zu verteidigen sein sollte. Im ersten Krieg eroberte er mit seinem Generalfeldmarschall Kurt Christoph Graf von Schwerin Schlesien für Preußen. Im 2. Schlesischen Krieg verteidigte er diese Eroberung erfolgreich. Im Siebenjährigen Krieg marschierten seine Truppen in Kursachsen ein. Damit kam er einem koordinierten Angriff einer Allianz praktisch aller direkten Nachbarn Preußens einschließlich der Großmächte Österreich, Frankreich, Russland um wenige Monate zuvor, die vom österreichischen Kanzler Graf Kaunitz initiiert worden war. Das Zahlenverhältnis der Armee Preußens gegenüber dieser Allianz betrug etwa 1:3, das der reinen Bevölkerungszahl der Staaten etwa 1:20. Aufgrund seines strategischen Geschicks bürgerte sich für ihn der Beiname „der Große“ ein. Die Erste Polnische Teilung (1772) ging auf eine Initiative Friedrich II. zurück. Österreich und das mit Preußen seit 1764 verbündete Russland standen zu jener Zeit an der Grenze eines bewaffneten Konflikts. Im Sinne streng rational vorgehender, „aufgeklärter“ Staats- und Machträson ermunterte der preußische König beide Kontrahenten, ihren Gebietshunger auf Kosten des unterlegenen Nachbarlands zu stillen. Preußen annektierte das sogenannte Polnisch-Preußen bzw. Westpreußen. Seitdem nannte er sich Friedrich II., König von Preußen und nicht mehr, wie seine beiden Vorgänger, König in Preußen. Friedrich korrespondierte mit Voltaire und empfing ihn in Potsdam. Er schrieb selbst zahlreiche Werke in französischer Sprache und war einer der weit verbreitetsten Schriftsteller des 18. Jahrhunderts. Europaweit berühmt wurde sein „Anti-Macchiavell“ (1740), in dem er staatspolitische Grundsätze des Machiavelli einer kritischen, aufgeklärten Analyse unterwarf. Machiavelli mit Voltaire (links) und den führenden Köpfen der Berliner Akademie, 1850, ehemals Nationalgalerie, Berlin, 1945 im Flakturm Friedrichshain verbrannt.]] Er war an Kunst in jeder Form interessiert, skizzierte z. B. selbst sein Potsdamer Schloss Sanssouci und ließ es von Knobelsdorff ausführen. Er legte eine bedeutende Bildersammlung an, spielte selbst sehr gut Querflöte (Flötenlehrer Johann Joachim Quantz) und komponierte. Weithin bekannt ist sein Treffen mit Johann Sebastian Bach im Jahre 1747 in Sanssouci. Als junger König erregte er Aufsehen in Europa, weil er die Folter abschaffte, die Religionsfreiheit verkündete und das bis dahin österreichische Schlesien einverleibte. Sein Wahlspruch: „Ich bin der erste Diener meines Staates.“ Sehr verdient machte er sich um die Entwicklung des Rechts (Allgemeines Landrecht). Als Anekdote zum Umgang des Königs mit dem Recht wird immer wieder die Legende des Müllers von Sanssouci bemüht, doch ist sie nachweislich historisch falsch. Innenpolitisch waren seine Reformen in der Landwirtschaft (Kartoffel), im Militärwesen, im Erziehungswesen, im Rechtswesen, die Trockenlegung des Drömlings und des Oderbruches, die Abschaffung der Folter und die Schaffung eines starken Beamtenstandes, der angehalten war, jeden Bürger gleich zu behandeln, kennzeichnend für seine Regierungszeit. Ebenso war innenpolitisch die Toleranz und die Offenheit gegenüber Einwanderern und religiösen Minderheiten (Hugenotten, Katholiken) kennzeichnend. Im Forum Fredericianum in Berlin stehen eine protestantische und eine katholische Kirche nebeneinander, ein Unikum im 18. Jahrhundert. Friedrich wird der Satz „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“ nachgesagt. In der diskriminierenden Behandlung der Juden knüpfte Friedrich II. jedoch nahtlos an die Politik seiner Vorgänger an (Revidiertes General-Privileg 1750, Judenporzellanverordnung 1763). Preußen war die erste absolute Monarchie Europas, in der eine zumindest eingeschränkte Pressefreiheit eingeführt wurde. Homosexuelle Menschen wurden von diesem König nicht verfolgt. Außerdem war es im Preußen Friedrichs II. für alle Bürger möglich, sich brieflich oder sogar persönlich an den König zu wenden. Gemäß seiner berühmten Maxime „Der König ist der erste Diener des Staates“ versuchte er zu große Auswüchse des Feudalsystems zu unterbinden. Dabei war er insbesondere sehr misstrauisch gegenüber seinen eigenen Beamten, denen er im Zweifelsfall einen ausgeprägten Standesdünkel zum Nachteil der ärmeren Schichten unterstellte. : „Es mißfällt mir sehr, daß mit den armen Leuten, die in Prozeßsachen in Berlin zu tun haben, so hart umgegangen wird und daß man sie mit Arrest bedroht, wie das beispielsweise mit dem Jacob Dreher aus Ostpreußen geschehen ist, der sich eines Prozesses wegen in Berlin aufhält und den die Polizei hat arretieren wollen. Ich habe das bereits untersagt und möchte Euch hiermit zu erkennen geben, daß in meinen Augen ein armer Bauer ebenso viel gilt wie der vornehmste Graf und der reichste Edelmann. Das Recht gilt ebenso für vornehme wie für geringe Leute!“ (Brief Friedrichs des Großen an seinen Justizminister, 1777) Feudalsystems am 17. August 1786 (Wachsausguss der originalen Form, durch Anstückung zum Kopf ergänzt), wie sie im Hohenzollern-Museum im ehemaligen Schloss Monbijou aufbewahrt wurde (zerstört).]] Die von ihm gewünschte und angeregte allgemeine Abschaffung bzw. Milderung der Leibeigenschaft scheiterte am massiven Widerstand des preußischen Landadels, wurde aber auf den königlichen Krondomänen schrittweise durchgesetzt. In den neu erschlossenen Gebieten wurden Dörfer errichtet und freie Bauern angesiedelt. Es war bei anstehender Verlängerung eines Pachtvertrags für staatlichen Grund üblich, dass Angestellte, Mägde, Knechte über ihre Behandlung befragt wurden und bei Missständen der Pächter, auch bei erfolgreichem Wirtschaften, ausgetauscht wurde. Ebenfalls während der Regentschaft Friedrich II. wurden Hunderte Schulen gebaut. Das Landschulsystem krankte allerdings an der ungeregelten Lehrerausbildung. Häufig wurden ehemalige Unteroffiziere herangezogen, die des Lesens, Schreibens und Rechnens oft nur lückenhaft mächtig waren. Friedrich starb auf Schloss Sanssouci in seinem Sessel. Obwohl er neben seinen Hunden auf der Terrasse von Schloss Sanssouci beerdigt werden wollte, wurde er von seinem Nachfolger und Neffen in einer Gruft unter der Garnisonskirche in Potsdam beigesetzt. 1944 wurde der Sarg in die Elisabethkirche nach Marburg gebracht und erst 1952 auf Initiative Louis Ferdinands auf die Burg Hohenzollern . Erst nach der Wiedervereinigung, am 17.08.1991,wurde der große König wieder nach Potsdam gebracht und dort, wie er es wollte, in der schon zu Lebzeiten angefertigten Gruft beerdigt. Da wurde Friedrichs altes „bon mot“, in zweifelhaftem Französisch, „Quand je suis là, je suis sans souci“ (Wenn ich da bin, bin ich ohne Sorgen) endlich zur Wahrheit. Der alte Freidenker und Freimaurer wollte nicht in einer Kirche ruhen. Seine Hunde waren ihm näher. Ihm zu Ehren wurde seine Büste in der Walhalla aufgestellt. Nach seinem Tod wurden zahlreiche weitere Denkmale errichtet, das bedeutendste ist das große Reiterstandbild Friedrichs des Großen Unter den Linden in Berlin. Diese Statue wurde im Krieg gerettet und schon zu Zeiten der DDR wieder aufgerichtet.

Feldherr

Unter den Linden Ungeachtet seiner herausragenden administrativen Leistungen auf nichtmilitärischen Gebieten, insbesondere in der Begründung einer säkularen Rechtsordnung und Lockerung der überkommenden Erbuntertänigkeit, war und ist König Friedrich II. mit einiger Berechtigung als Feldherr ins Geschichtsbewusstsein von Mit- und Nachwelt eingegangen. Die aus heutiger Sicht völkerrechtswidrige Eroberung Schlesiens im Ersten Schlesischen Krieg (1740–42) nutzte die Schwäche Österreichs, die durch die Pragmatische Sanktion und den erst im Jahr 1739 beendeten Türkenkrieg entstanden ist. Die mehrfach auf der Kippe stehende Sicherung der neuen evangelischen ((Niederschlesien war deutschsprachig (etwa 95 %) und überwiegend evangelisch (68 %))und reichen Provinz Schlesien im darauf folgenden Zweiten (1744–45) und Dritten Schlesischen Krieg, dem so genannten Siebenjährigen Krieg (1756–63) ließen das protestantische Preußen zum gleichberechtigten Partner in der europäischen Pentarchie (Leopold von Ranke) werden. Die wenig angesehene „Streusandbüchse“ des Heiligen Römischen Reiches hatte sich gegen den Widerstand von schließlich fünf europäischen Großmächten (Frankreich, Österreich, Russland, Schweden, Sachsen-Polen) behauptet. Dadurch verschaffte er dem nach Zeugnis vieler Geistesgrößen von Voltaire und Mirabeau bis Walther Rathenau und Sebastian Haffner modernsten der damaligen Staaten eine sichere existenzielle Basis im politischen Wettstreit. Neben Russland, Österreich, Frankreich und England hatte sich Preußen endgültig als fünfte europäische Großmacht etabliert. Über die Strapazen und persönlichen Verluste der Feldzüge war Friedrich II. früh gealtert. Die intellektuelle Weltoffenheit des jungen Königs wich Verbitterung und Zynismus. Im Bayerischer Erbfolgekrieg (1778/79) vereitelte Friedrich II. Bestrebungen des österreichischen Kaisers Joseph II., Belgien gegen große Teile Bayerns zu tauschen. Das österreichische Festhalten am bayerisch-belgischen Tauschprojekt beantwortete Preußen mit der Gründung des protestantisch dominierten Fürstenbunds (1785).

Positive Bewertung

Fürstenbund Nicht zuletzt trug die eiserne Konsequenz des einstigen „roi charmant“ aus Sanssouci in den schweren Zeiten des Siebenjährigen Krieges zu seinem bis heute nicht verblichenem Ruhm bei. Über aller Kritik, die zweifellos berechtigt am Entschluss des Monarchen zum „Rendezvous des Ruhms“ (Friedrich vor dem Einmarsch in Schlesien 1740) geübt wurde und auch in Zukunft geübt werden wird, verdient auch das tapfere Durchhalten des leidgeprüften „roi-connétable“ (König-Feldherr) in sieben entbehrungsreichen Kriegsjahren seine historiographische Würdigung. Durch alle schweren Schicksalsschläge hindurch, die den früh gealterten Regenten in seinen Feldlagern, auf seinen Schlachtfeldern trafen (der Tod enger Freunde wie des Generals von Winterfeldt, seiner geliebten Schwester Wilhelmine von Bayreuth oder des Feldmarschalls Keith binnen eines Jahres), unter allen denkbaren Strapazen, die er – im Gegensatz zu seinen fürstlichen Gegnern, die ihre Tage oftmals nur zu opulent in Palästen zubrachten und untergeordnete Militärs für sich kämpfen ließen – freiwillig auf sich nahm – er wachte mit den einfachen Soldaten am Lager, führte sie persönlich in den feindlichen Kugelhagel (Friedrich wurden zwei Pferde beim Reiten erschossen), schlief bei ihnen auf Stroh, verlangte mithin nicht mehr von seinen Untergebenen, als er nicht selbst zu leisten bereit gewesen wäre – hielt der oft von Selbstmordgedanken geplagte Monarch bis zum mühsam errungenen Sieg durch – und bewahrte nicht nur sein Land vor Besetzung und Teilung sondern auch Mitteleuropa vor einer französisch-österreichischen Hegemonie. Nicht seine bloßen Schlachtensiege, vielmehr seine Charakterstärke und Durchhaltefähigkeit – der Basler Historiker Jacob Burckhardt spricht in seinen „Weltgeschichtlichen Betrachtungen“ von „Seelenstärke“ – wie sein auch im blutigen Überlebenskampf nie geschwundener Sinn für Gerechtigkeit und Mitleid machten ihn zum „Großen König“. Hervorzuheben sind auch seine Bemühungen um die wirtschaftliche Entwicklung Preußens, vor allem der Landwirtschaft, durch große Entwicklungsprojekte zur Gewinnung landwirtschaftlicher Nutzflächen (Trockenlegungen, zum Beispiel Oderbruch, Drömling) in Verbindung mit einer gezielten Ansiedlungspolitik. Es bleibt festzustellen, dass die Bemühungen des aufgeklärt-absolutistischen Königs etwa zur Entwicklung des Rechtssystems in seiner Zeit zu den umwälzendsten auf dem europäischen Kontinent gehörten und auch Nachahmer fanden (Joseph II. (HRR)). Dabei ging er durchaus rücksichtslos vor, wenn es ihm notwendig schien. Das gilt auch für seine europäische Großmachtpolitik, zu deren Durchsetzung er die bereits unter seinem Vater, dem so genannten Soldatenkönig, aufgebaute Armee einsetzte und für die er mehr Kriege vom Zaun brach als jeder seiner Vorgänger und Nachfolger. Die kurz vor seinem Lebensende von ihm angestoßenen Rechtsreformen führten schließlich unter den Preußischen Reformern zur Befreiung der Bauern aus Leibeigenschaft, nicht nur auf den Staatsdomänen, sondern auch auf den großen Gütern des dagegen frondierenden preußischen Adels (siehe Friedrich August Ludwig von der Marwitz).

Kritische Bewertung

Friedrich August Ludwig von der Marwitz Die Konzentration der Politik Friedrichs II. aufs Militärische ist nicht unumstritten. Unter seiner Führung begann Preußen zahlreiche Kriege. Allein der Siebenjährige Krieg kostete eine Million Menschen das Leben, weite Landstriche wurden verwüstet. Thomas Mann nannte Friedrich II. ein „Ungeheuer“. Aber auch in Friedenszeiten galt es des brutalen Drills wegen zumindest für die einfachen Soldaten als Unglück, eingezogen zu werden („Die Soldaten müssen durch härteste Gewalt an die Fahne gebunden werden“, Friedrich II.). Zehntausende von Deserteuren flohen aus Preußen. Mirabeau bemerkte: „Andere Staaten besitzen eine Armee, Preußen ist eine Armee, die einen Staat besitzt.“ Dass Friedrich II. die Folter abgeschafft habe, ist dem zeitgenössischen Chronisten des preußischen Kammergerichts Friedrich Holtze zufolge nicht wahr; sie sei lediglich nicht mehr als Folter bezeichnet worden. Den Philosophen Voltaire, mit dessen Anwesenheit am preußischen Hof sich Friedrich II. gern schmückte, ließ er in Frankfurt am Main verhaften, als dieser Preußen verlassen wollte. Voltaire schrieb ihm 1760: „Der Schatz Ihrer Weisheit ist verdorben durch die unselige Freude, die es Ihnen immer gemacht hat, alle anderen Menschen demütigen zu wollen...“ Die Freiheit der Presse wurde verglichen mit der Herrschaft seiner Vorgänger weiter eingeschränkt. „Jeder Untertan in diesem Land wird als geborener Sklave betrachtet“, schrieb Graf Ernst Christof von Manteuffel an den verbannten Philosophen Christian Wolff. Folgende Denker wurden auf Befehl Friedrichs II. verbannt oder verhaftet: Herder, Lessing, Winckelmann, Klopstock, Wieland, Knobelsdorff, Carl Philipp Emanuel Bach, Nahl, Boumann (der Ältere), Büring, Legeay, Gontard und viele andere. Franz Mehring urteilte über die Herrschaft Friedrichs II.: : „Es hieße Wasser in die Spree tragen, wenn wir noch nachweisen wollten, daß dieser aufgeklärte Despotismus mit dem Zeitalter der deutschen Humanität, dem Lessing die erste Bahn brach, schlechterdings gar nichts zu tun hat. “ Freiherr vom Stein stellte 1807 fest: :„... keine ständische Verfassung, kein als Vereinigungspunkt dienender, tätiger Staatsrat, keine Einrichtungen, wo sich Gemeingeist, Übersicht des Ganzen bilden, gewisse feste Verwaltungsmaximen sich entwickeln konnten.“ Alles in allem erscheint die Bezeichnung Friedrichs II. als aufgeklärten Absolutisten keineswegs als eindeutig, jedenfalls was seine Aufgeklärtheit angeht. Für öffentliche Finanzen hatte Friedrich gar kein Verständnis. Die Aufgabe die Steuern einzuziehen wurde an italienische Abenteurer verpachtet. Zu Friedrichs Zeit entstand in Preußen keine moderne Ökonomie oder Verwaltung. Ein weiterer bedeutender Zeitgenosse – Johann Joachim Winckelmann – schrieb über Friedrich II.: : „Es schaudert mich die Haut – vom Haupte bis zu den Zehen – wenn ich an preußischen Despotismus und an den Schinder der Völker denke.“

Vorfahren

┌──> Friedrich Wilhelm (16201688) │ Kurfürst von Brandenburg │ ┌──> Friedrich I. (16571713) │ König in Preußen │ │ │ └──> Louise Henriette von Oranien (16271667), │ ... │ ┌──> Friedrich Wilhelm I. (16881740), der Soldatenkönig │ König in Preußen │ │ │ │ ┌──> Ernst August (16291698), │ │ │ Kurfürst von Hannover, siehe unten │ │ │ │ └──> Sophie Charlotte von Hannover (16681705) │ │ │ └──> Sophie von der Pfalz (16301714) │ siehe unten │ ... │ Friedrich II. (17121786), Friedrich der Große König von Preußen │ │ ┌──> Ernst August (16291698), │ │ Kurfürst von Hannover, siehe oben │ │ │ ┌──> Georg I. (16601727) │ │ König von Großbritannien und Kurfürst von Hannover │ │ │ │ │ └──> Sophie von der Pfalz (16301714) │ │ siehe oben │ │ └──> Sophie Dorothea von Hannover (16871757) ... │ │ ┌──> Georg Wilhelm (16241705) │ │ Herzog von Braunschweig und Lüneburg in Calenberg und Lüneburg │ │ └──> Sophie Dorothea von Braunschweig-Lüneburg (16661726), Prinzessin von Ahlden ... │ └──> Eleonore d’Olbreuse (16391722) ...
Siehe auch: Das Flötenkonzert Friedrich des Großen in Sanssouci, Liste der Herrscher namens Friedrich

Werke


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Literatur


- Gedanken und Erinnerungen des Preußenkönigs., ISBN 3-88851-167-4
- Theodor Schieder: Friedrich der Große – Ein Königtum der Widersprüche. ISBN 3-548-26534-0
- Karl Otmar von Aretin (Mitverf.): Friedrich der Große. Herrscher zwischen Tradition und Fortschritt. ISBN 3-570-05104-8
- Oswald Hauser (Hrsg.): Friedrich der Große in seiner Zeit. ISBN 3-412-08186-8
- Johannes Kunisch: Friedrich der Große. Der König und seine Zeit. Beck, München 2004, 624 S., ISBN 3-406-52209-2
- Ingrid Mittenzwei: Friedrich II. von Preußen, Berlin, 1979
- Dieter Wunderlich: Vernetzte Karrieren. Friedrich der Große, Maria Theresia und Katharina die Große., ISBN 3-7917-1720-0
- S. Fischer-Fabian: Preußens Gloria
- Peter Lill: Friedrich der Große, Anekdoten. Ullstein Verlag 1991, ISBN 3-548-34865-3
- Christian Graf von Krockow: Friedrich der Grosse. Ein Lebensbild. Verlag :Bastei Lübbe, ISBN 3-404-61460-7.

Filme


- 1920/1922: Fridericus Rex (1. Teil: Sturm und Drang; 2. Teil: Vater und Sohn). Regier: Arzen von Cserepy, Darsteller: Otto Gebühr (Friedrich II.), Albert Steinrück (Friedrich Wilhelm I.)
- 1923: Fridericus Rex (3. und 4. Teil). Regie: Arzen von Cserepy, Darsteller: Otto Gebühr (Friedrich II.), Erna Morena (Königin Elisabeth Christine)
- 1927/1928: Der Alte Fritz (1. Teil: Friede; 2. Teil: Der Ausklang). Regie: Gerhard Lamprecht, Darsteller: Otto Gebühr (Der Alte Fritz), Berthold Reißig (Prinz Heinrich)
- 1930: Das Flötenkonzert von Sanssouci. Regie: Gustav Ucicky, Darsteller: Otto Gebühr (Der König), Hans Rehmann (Major von Lindeneck), Theo Lingen (Kent)
- 1932: Die Tänzerin von Sannssouci. Regie: Friedrich Zelnik, Darsteller: Otto Gebühr (Friedrich der Große), Lil Dagover]] (Barberina Campanini), Rosa Valetti (ihre Mutter)
- 1932: Trenck. Regie: Heinz Paul, Ernst Neubach, Darsteller: Hans Stüwe (Trenck), Theodor Loos (Friedrich II.), Paul Hörbiger (Gerichtspräsident)
- 1933: Der Choral von Leuthen. Regier: Carl Froelich, Darsteller: Otto Gebühr (Der König), Olga Tschechova (Gräfin Mariann), Werner Finck (Christian, Kandidat der Theologie)Veit Harlan (Soldat)
- 1935: Der alte und der junge König. Regier: Hans Steinhoff, Darsteller: Emil Jannings (Friedrich Wilhelm I.), Werner Hinz (Kronprinz Friedrich), Claus Clausen (Leutnant Katte)
- 1935: Anekdoten um den Alten Fritz. Regier: Phil Jutzi, Darsteller: Theodor Loos (Der Alte Fritz), Karl Meixner (Voltaire)
- 1936: Fridericus. Regie: Johannes Meyer, Darsteller: Otto Gebühr (Friedrich der Große), Lil Dagover (Madame Pompadour), Käthe Haack (Kaiserin Maria Theresia), Paul Dahlke (Feldmarschall von Dessau)
- 1936: Heiteres und Ernstes um den großen König. Regier: Phil Jutzi, Darsteller: Otto Gebühr (Friedrich der Große), Hans Mierendorff (Der Invalide)
- 1942: Der große König. Regie: Veit Harlan, Darsteller: Otto Gebühr (Friedrich der Große), Kristina Söderbaum (Müllerstochter), Gustav Fröhlich (Treskow)

Weblinks


- [http://www.preussen-chronik.de/person.jsp?key=Person_Friedrich+II.+von_Preu%DFen Biographie auf Preussen-Chronik.de]
- [http://www.preussen.de/de/geschichte/1740_friedrich_ii..html Biographie auf Preussen.de]
- [http://ub-dok.uni-trier.de/friedrich/ Digitale Ausgabe von Werken Friedrichs II.] Kategorie:König (Preußen) Friedrich II. Kategorie:Deutscher Komponist Kategorie:Flötist Kategorie:Hohenzollern Kategorie:Freimaurer Kategorie:Geboren 1712 Kategorie:Gestorben 1786 ja:フリードリヒ2世 (プロイセン王)

Voltaire

Voltaire [], eigentlich François-Marie Arouet [] (
- 21. November 1694 in Paris; † 30. Mai 1778 in Paris) war einer der einflussreichsten Autoren der europäischen Aufklärung und gilt als wichtiger Vertreter des Deismus. In Frankreich hielt man ihn schon zu Lebzeiten für so bedeutend, dass man das ganze 18. Jahrhundert dort gern als „le siècle de Voltaire“ („das Jahrhundert Voltaires“) bezeichnet. Mit seiner Kritik an den Missständen des Absolutismus und der Feudalherrschaft sowie auch am Deutungs- und Machtmonopol der katholischen Kirche war er ein Wegbereiter der Französischen Revolution. Seine wichtigsten Waffen im Kampf gegen seine ideologischen Gegner waren ein präziser und gemeinverständlicher Stil, Sarkasmus und Ironie. __TOC__

Leben und Werk

Jugend

Voltaire war das jüngste Kind eines vermögenden bürgerlichen Notars, der auf dem Höhepunkt seiner Karriere zum königlichen Gerichtsgebühreneinnehmer avancierte. Bereits mit sechs verlor er seine Mutter. Im Jesuitenkolleg Louis-le-Grand (heute Lycée Louis-le-Grand) erwarb er eine solide humanistische Bildung in lateinischer und griechischer Literatur, Mathematik, Geschichte und Religion. Schon als Schüler verfasste er Gedichte und auch seine Theaterbegeisterung nahm in dieser Zeit ihren Anfang. Zudem gewann er einige Freunde unter seinen überwiegend adeligen Mitschülern, darunter die Brüder d'Argenson, die später hohe Ämter bekleideten. Allerdings lernte er so früh auch die Ständegesellschaft des Ancien Régimes kennen. Manche Schüler glaubten allein aufgrund ihrer adeligen Herkunft auf ihn herab sehen zu können. Auf Drängen des strengen Vaters, der dem Jansenismus nahestand, absolvierte er ein Rechtsstudium an der Pariser juristischen Hochschule (1711-1713). Zugleich führte ihn sein Patenonkel, der Abbé de Châteauneuf, in verschiedene schöngeistige und literarische Zirkel ein. So verkehrte er im epikuräisch-freidenkerischen Kreis um Philippe de Vendôme, den Chef des Malteserordens, und wurde hier für seine eleganten und geistreichen Verse bewundert. Nach Beendigung des ungeliebten Studiums gab er dem Druck des Vaters nach und arbeitete für kurze Zeit in einem Notariat in Caen. Anschließend begleitete er einen Bruder seines Patenonkels als Privatsekretär nach Den Haag, wo jener in diplomatischer Mission zu tun hatte. Als er eine Liebschaft mit einer jungen Französin begann, beschwerte sich deren Mutter bei seinem Vater. Dieser erwog daraufhin, ihn zu enterben und nach Amerika deportieren zu lassen.

Erste Veröffentlichungen

Den Haag Voltaire kam nach Paris zurück und arbeitete nochmals für kurze Zeit in einer Anwaltskanzlei. Er verkehrte jetzt nicht nur in literarisch-schöngeistigen Zirkeln, sondern zunehmend auch in adeligen Häusern, wo man ihn als Autor witziger, häufig spöttischer Gedichte schätzte. Auch beteiligte er sich an den Diskussionen und Streitereien der Pariser Literaten und machte sich beispielsweise 1714 mit